Pflegeversicherung: Mehrheit der Deutschen ist unzureichend über neues Pflegesystem informiert

Die zum Jahreswechsel anstehenden umfassenden Veränderungen in der Pflegeversicherung sind der Mehrheit der Deutschen unbekannt. Trotz intensiver öffentlicher Debatten gehen viele Bundesbürger dem Thema der eigenen Pflegebedürftigkeit aus dem Weg, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt. Das Patientenportal Saluway informiert, auf welche Veränderungen sich die Bürger zum 1. Januar 2017 bei der Pflegeversicherung einstellen müssen.

 Die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

“Die Zahlen zeigen, dass vielen durchaus bewusst ist, wie wichtig Vorsorge für einen möglichen Pflegefall ist. Andererseits fehlen der Wille und teilweise auch die Möglichkeiten, sich vorzubereiten“, sagt Georg van Elst, Pflegeexperte der TK, der es aber für menschlich verständlich hält, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema schwerfalle.

Zwei Drittel betrachten eigene Vorsorge als mangelhaft

Der Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge hat über die Hälfte der Befragten keinerlei Kenntnis von den Neuerungen. Auch die eigene Vorsorge für den Pflegefall ist für die meisten Bundesbürger kein Thema: Viele machten sich zum Thema Pflegeversicherung in eigener Sache noch keine Gedanken. Wer sich bereits konkrete Gedanken um die eigene Vorsorge für einen möglichen Pflegefall gemacht hat, sieht diese als ungenügend; zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, für einen solchen Fall nicht ausreichend vorgesorgt zu haben. Hauptgrund für diese mangelnde Vorsorge ist laut Techniker Krankenkasse der Kostenfaktor.

Das ändert sich 2017

Ab 1. Januar 2017 werden bei der Feststellung von Pflegebedürftigkeit, neben den körperli-chen, künftig stärker auch geistige und psychische Beeinträchtigungen berücksichtigt. Die Pflege kann so besser an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen angepasst werden. Diese Neuregelung wirkt sich allerdings auf Betroffene aus, die ausschließlich wegen körper-licher Beeinträchtigungen ab 2017 einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen; hier kann es durchaus schwieriger werden, Pflegeleistungen zu erhalten. Für diesen Personenkreis emp-fiehlt es sich, noch 2016 einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung zu stellen. Denn dadurch bleiben ihre Ansprüche auch über den Jahreswechsel hinaus erhalten.

Der Grad der Selbstständigkeit im Alltag sowie die Abhängigkeit von personeller Hilfe – nach diesen Kriterien wird die Pflegebedürftigkeit künftig bemessen. Die bisherigen drei Pflegestu-fen sind Vergangenheit. Diese werden ab Januar 2017 durch fünf Pflegegrade abgelöst. Wer schon eine Pflegestufe hat, wird automatisch dem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet.

Für Pflegeheimbewohner steigt unter Umständen der Eigenanteil an den Kosten – denn für die Pflegegrade 2 und 3 in stationären Einrichtungen gibt es ab 2017 weniger Geld. Aktuell hängt die Höhe der Eigenanteile von der Pflegestufe ab. Künftig wird im Pflegeheim jedoch jeder Bewohner den gleichen Betrag zahlen, unabhängig vom Pflegegrad. In Pflegestufe I (Pflegegrad 2) werden dann 294 Euro weniger und in Pflegestufe II (Pflegegrad 3) 68 Euro weniger pro Monat gezahlt. Menschen, die ab dem 1. Januar 2017 ins Pflegeheim einziehen, müssen sich darauf einstellen, dass die Zuzahlung für die unteren Pflegegrade wahrschein-lich ansteigen, während sie für die höheren Pflegegrade gleich bleibt oder sogar günstiger werden kann. Diejenigen, die zum Jahreswechsel bereits in einer Pflegeeinrichtung wohnen, müssen sich keine Gedanken machen: Sie genießen Bestandschutz und zahlen weiterhin den gewohnten Betrag. Wer konkret plant, in der nächsten Zeit in ein Pflegeheim zu ziehen, sollte sich über den günstigsten Zeitpunkt des Einzugs und der Antragstellung gut beraten lassen.

Pflegebedürftige Menschen, die zu Hause wohnen und dort versorgt werden, erhalten auch weiterhin die bisherigen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Nach der Umwandlung der Pflegestufe in einen Pflegegrad wird gleich viel oder sogar mehr gezahlt werden. Dieser sogenannte Schutz des Besitzstandes gilt lebenslang – auch bei einem Wechsel der Kranken- und Pflegekasse. Nehmen die Einschränkungen zu und wird der Pflegegrad angehoben, ändert sich entsprechend die Leistung aus der Pflegeversicherung. Dies gilt vor allem für den Fall, wenn bei einer erneuten Begutachtung festgestellt wird, dass keine Pflegebedürftigkeit mehr besteht.

Auch wenn die jüngere Generation nicht von den zum Jahreswechsel anstehenden umfassenden Veränderungen in der Pflegeversicherung betroffen ist, rät Georg van Elst „angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger in den kommenden Jahren, die aktuellen Veränderungen zum Anlass zu nehmen, sich mit dem Thema zu befassen.“

Ähnliche Beiträge
Änderungen beim Kinderarzt ab September 2016 Ab morgen gelten für die Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt neue Regeln. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA) ...
Pflegeschüler proben im Skillslab den Ernstfall Üben an „Puppen“ statt am Patienten: Krankenpflegeschüler an den Kliniken des Landkreises Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim werden erst auf Patient...
Tag des Patienten: höchste Zeit für Aufklärung Mit dem deutschlandweit ersten Tag des Patienten am 26. Januar haben Kliniken ein positives Signal für Patientenrechte gesetzt: Zahlreiche Krankenhäus...
„Die Krankenhausversorgung knirscht“ Der Deutsche Ethikrat sieht „Anlass zur Sorge“ in Hinblick auf das Patientenwohl in Krankenhäusern. Eine zu starke Ausrichtung an finanziellen Aspekte...
Frank Fischer on EmailFrank Fischer on Facebook
Frank Fischer
Redakteur