Pflegeberufereform ist beherrschendes Thema des Deutschen Pflegetages

Das geplante Pflegeberufegesetz ist eines der Hauptthemen auf dem dritten Deutschen Pflegetag. „Wir brauchen es jetzt!“ – mit diesen Worten setzt sich Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates e.V., erneut für eine schnelle Durchsetzung der Generalisierung ein und landet damit sogar in der Tagesschau. Kritik weist er vehement zurück und dankt stattdessen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe für die Reform der Pflegeberufe in dieser Wahlperiode.

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates e.V., Foto: © Deutscher Pflegetag

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates e.V. © Deutscher Pflegetag

„Es ist beeindruckend, dass Sie mit Ihrer Anwesenheit zeigen, was wir brauchen. Nämlich die Demonstration einer großen und starken Berufsgruppe. Sie wissen gar nicht, wie wichtig das ist“, äußerte sich Pflegepräsident Andreas Westerfellhaus auf dem dritten Deutschen Pflegetag. Dass das Pflegeberufegesetz auf den Weg gebracht wurde, hält er für „eine gute Nachricht für alle professionell Pflegenden“, deren Arbeit dadurch deutlich aufgewertet würde.

Kritik gegenüber der Generalisierung und der damit verbundenen Zusammenlegung dreier Ausbildungsberufe im Pflegebereich ließ er nicht zu. An die Arbeitgeber und Teile der Ärzteschaft gerichtet rief er stattdessen: „Haltet euch raus! Es geht um unsere Profession!“ Die Pflegefachpersonen in Deutschland forderte er dazu auf, sich über Inhalte zu informieren und sich nicht von „interessengeleiteten Falschmeldungen in die Irre führen“ zu lassen.

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe unterstützt die geplante Reform weiterhin. „Gute Pflege hat anständige Vergütung verdient. Was fürs Personal gedacht ist, muss auch dort landen“, wird er vom Bundesministerium auf Twitter zitiert. Um die Finanzen geht es auch dem Vorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Matin Litsch. Er begrüßt die geplante Abschaffung des Pflegegeldes für Pflegeschüler und die akademische Pflegeausbildung. Als kritisch wertet er jedoch den Einbezug von Landesausbildungsfonds bei der Finanzierung: „Damit stehlen sich die Länder aus ihrer finanziellen Verantwortung, die schulischen Ausbildungskosten angemessen zu refinanzieren.“

Staatssekretär Karl-Josef-Laumann betont zum Start des Pflegetages, dass nur mit dieser Reform „auch in Zukunft eine gute Versorgung pflegebedürftiger und kranker Menschen gewährleistet werden“ könne. Der vielgeäußerten Kritik, durch die Generalisierung würden lediglich die Inhalte dreier Ausbildungen in einen Topf geworfen, entgegnet er, dass es sich vielmehr „um eine vollkommen neue Art der Ausbildung mit einem vollkommen neuen Denken und einer vollkommen neuen Struktur“ handle. Ins Zentrum seiner Rede beim Deutschen Pflegetag 2016 stellt er die Personalausstattung. Obwohl es in der Hoheit der Regierungen der Bundesländer liege, Vorgaben in der Altenpflege zu machen, seien sämtliche vorhandenen Schlüssel Ergebnisse von Verhandlungen. „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff lässt sich in keiner einzigen Einrichtung in Deutschland umsetzen, wenn nicht auch etwas beim Personalschlüssel passiert“, sagt er.

Beim Deutschen Pflegetag 2016 treffen sich Spitzenvertreter aus Pflege, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Ziel, Herausforderungen der Branche gemeinsam anzugehen. Erwartet werden mehr als 6.000 Besucher. Während der Veranstaltung, die unter dem Motto „Pflege stärken mit starken Partnern“ steht, wird ein Vortragsprogramm geboten, bei dem interdisziplinäre Experten die Pflege aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Veranstalter ist der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR).

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Michelle Sprinz
Volontärin
Jahrgang 1993, geboren in Leimen. Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim sowie der University of Miami.