Deutscher Pflegerat formuliert Forderungen zur Bundestagswahl

Zu wenig Personal, schlechte Bezahlung: Der Deutsche Pflegerat hat im Rahmen des 4. Deutschen Pflegetages in Berlin die Arbeitsbedingungen für professionell Pflegende kritisiert. Ein unzureichender Personalschlüssel führe zu Überlastung, hohem Krankenstand und einer übermäßigen Teilzeitquote. Damit sei nicht nur die Gesundheit der Pflegenden, sondern auch die Patientensicherheit gefährdet. Der Verband formuliert deshalb sechs Monate vor der Bundestagswahl klare Forderungen an die politischen Akteure.

Bild: Andreas Westerfellhaus mit Jürgen Graalmann im Pressegespräch. © Meike Kenn / Deutscher Pflegetag

Andreas Westerfellhaus (rechts) mit Jürgen Graalmann (links) im Pressegespräch. © Meike Kenn / Deutscher Pflegetag

Mit seiner Kritik beruft sich der Verein auf eine gestern veröffentlichte Psyma-Umfrage unter Mitarbeitern der professionellen Pflege. Demnach fühlen sich 17 Prozent der Befragten von den etablierten Parteien überhaupt nicht vertreten. Knapp die Hälfte traut den Parteien keine Pflegekompetenz zu. Selbst bisherige gesetzliche Änderungen wie das Krankenhausstrukturgesetz zeigten im Berufsalltag der Pflegenden keine Wirkung. Jeder Dritte würde seinen Beruf nicht weiterempfehlen.

25 Millionen Bürger sind von Pflege betroffen

“Das Stimmungsbild unter beruflich Pflegenden ist ein weiteres Alarmsignal, das zwingend auch in der Politik gehört werden muss”, mahnt Jürgen Graalmann, Sprecher des Deutschen Pflegetages und sagt: “Dass fast jeder Dritte seinen Pflegeberuf in keiner Weise weiterempfehlen würde, kann nicht ohne Reaktion bleiben.” Graalmann verweist in diesem Zusammenhang auf 25 Millionen Bundesbürger, die unmittelbar von Pflege betroffen sind, darunter 1,2 Millionen professionell Pflegende, 2,9 Millionen Pflegebedürftige und 17 Millionen, die pro Jahr im Krankenhaus behandelt werden.

Pflegerat stellt klare Forderungen

Versorgungslücken in der Pflege müssten geschlossen und der Pflegeberuf attraktiver werden, heißt es deshalb vonseiten des Verbandes, der sich vor der Bundestagswahl mit klaren Forderungen an die Parteien wendet. So müssten beispielsweise eine Personalbemessung und eine attraktive Vergütung für Pflegende und Hebammen gesetzlich festgelegt werden, Ausbildungskapazitäten erhöht und die schon lange geforderte Reform der generalistischen Pflegeausbildung umgesetzt werden. Darüber hinaus wünscht sich der DPR einen bundeseinheitlich verbindlichen Personalschlüssel sowie eine einheitliche Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

“Jetzt muss Schluss sein”

“Mit höchster Priorität muss von der nächsten Bundesregierung die Schaffung bestmöglicher Arbeitsbedingungen in der Pflege angegangen werden”, steckt Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, seine Hoffnungen in das neue Kabinett. Für Hängepartien in der Vergangenheit zeigte er kein Verständnis: Ein Jahrzehnt lang habe der DPR für eine qualitative Neuordnung der Pflegeausbildung gerungen. “Jetzt muss Schluss sein mit der unsäglichen Diskussion”, so der Präsident. “Wer Pflege ernst nimmt, muss jetzt handeln und das Pflegeberufegesetz im Bundestag verabschieden.”

Noch bis Samstag beraten über 8000 Akteure auf dem Deutschen Pflegetag über die Zukunft ihrer Branche. Thematisiert werden von insgesamt knapp 200 Referenten unter anderem Reformen zur Pflegeausbildung, Gewalt in der Pflege und Personalbemessungen.

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Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung