KKH gibt Tipps für die Suche nach geeigneter Pflege

Als Reaktion auf die Berichterstattung über betrügerische ambulante Pflegedienste gibt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) Tipps für die Suche nach einem geeigneten ambulanten Pflegedienst. Unter der großen Zahl der Anbieter sei es für Versicherte schwer, den passenden zu finden. Peter Benninger vom KKH-Serviceteam in Heidelberg erläutert, woran ein guter Pflegedienst oder eine qualitativ hochwertige stationäre Pflegeeinrichtung zu erkennen sind.

Der Abrechnungsbetrug zeigt: Seriöse Pflegedienste sind keine Selbstverständlichkeit. Copyright: KKH

Der Abrechnungsbetrug zeigt: Seriöse Pflegedienste sind keine Selbstverständlichkeit. © KKH

Die kriminellen Einrichtungen werben mit modernem Wohnambiente, individuellen Betreuungskonzepten und zuvorkommendem Pflegepersonal. „Wichtig ist, sich nicht von Hochglanz-Prospekten blenden zu lassen“, rät Peter Benninger. „In erster Linie sollten eine qualifizierte Betreuung und eine gute Einbindung in die medizinische Versorgung ausschlaggebend für die Wahl eines Anbieters sein.“

Von den mehr als 56.000 pflegebedürftigen Versicherten der KKH wird nach Angaben der Versicherung die überwiegende Mehrheit (72 Prozent) zu Hause betreut, 28 Prozent seien in einem Pflegeheim. Das ergab eine Auswertung aus dem Jahr 2014. Dabei liege die häusliche Pflege laut Statistischem Bundesamt zu zwei Dritteln allein in den Händen von Angehörigen; der übrige Teil wird von ambulanten Pflegediensten ‒ teils oder komplett ‒ übernommen.

Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland werden vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung hinsichtlich ihrer Qualitätskriterien geprüft und benotet. Die Ergebnisse sind auf der KKH-Seite einsehbar. „Das derzeitige Prüf- und Benotungssystem von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ist eine Orientierungshilfe, bildet die Realität aber leider nicht vollständig ab. Die KKH fordert deshalb seit langem, dass es dringend überarbeitet werden muss“, so Benninger.

Betroffene, die auf der Suche nach einer geeigneten Pflegeeinrichtung sind, sollten die in Frage kommenden Anbieter aufsuchen, um sich ein persönliches Bild vor Ort zu machen. „Am besten sucht man die Heime zu verschiedenen Tageszeiten auf, um den Alltag mitzuerleben. Auch ein Gespräch mit anderen Heimbewohnern oder deren Angehörigen kann hilfreich sein“, rät Benninger. Bei den Besuchsterminen sollte auf folgende Kriterien ein besonderes Augenmerk gelegt werden:

  • Ist das Pflegepersonal freundlich und nimmt sich Zeit für die Bedürfnisse der Heimbewohner?
  • Gibt es ein Pflege-Leitbild im Haus?
  • Wie viele Betreuer versorgen wie viele Bewohner?
  • Sind die Bewohner an der Organisation beteiligt (Heimbeirat)?
  • Wird nach Qualitätsstandards (Dekubitus etc.) gepflegt?
  • Ist das Personal für Patienten mit Demenz speziell geschult?
  • Gibt es ein Konzept zur Sturzprophylaxe?
  • Sind alle anfallenden Kosten in einer Preisliste aufgeschlüsselt und verständlich dargestellt?

In manchen Einrichtungen ist zudem ein Probewohnen möglich. Gerade wegen der oftmals langfristigen Bindung sollte die Entscheidung mit Sorgfalt getroffen werden. „Im Laufe der Zeit entsteht oft ein großes Vertrauensverhältnis zwischen Betroffenen, Angehörigen und Pflegepersonal. Dennoch sollte man auch später immer Dinge hinterfragen, die einem merkwürdig vorkommen“, ermutigt Benninger zu einer Wachsamkeit. Offensichtliche Pflegemängel, nicht erbrachte Leistungen oder fehlende Hausbesuche im Bereich der ambulanten Pflege können einige Beispiele sein. Die Krankenkassen sind in kritischen Fällen Ansprechpartner für die Belange ihrer Versicherten und beraten die Betroffenen.

Medienberichten zufolge ermittelt das Bundeskriminalamt gegen vor allem russische Pflegedienste. Sie sollen bundesweit systematisch Sozialhilfeträger und gesetzliche Kranken- und Pflegekassen betrogen haben, in dem sie Leistungen abrechneten, die nicht oder nicht in der angegebenen Qualität erbracht wurden. Politiker und Kassen fordern strengere Kontrollen, der Deutsche Pflegerat bemüht sich um Schadensbegrenzung.

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Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung