„Heilberufe leisten Beziehungsarbeit“

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens seines Ethikkomitees hat das Ortenau Klinikum am vergangenen Mittwoch (3. Mai 2017) einen Ethiktag veranstaltet, bei dem sich Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und weiteres Fachpersonal der Klinik ausschließlich mit Fragen zu ethischen Konfliktsituation bei der Patientenversorgung befasst haben. Für die Veranstaltung war es der Klinik gelungen, als Hauptredner den renommierten Medizinethiker Professor Dr. Giovanni Maio, Leiter des Instituts  an der Universität Freiburg Mitglied des Deutschen Ethikrates, zu gewinnen.

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens seines Ethikkomitees hat das Ortenau Klinikum am vergangenen Mittwoch (3. Mai 2017) einen Ethiktag veranstaltet, bei dem sich Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und weiteres Fachpersonal der Klinik ausschließlich mit Fragen zu ethischen Konfliktsituation bei der Patientenversorgung befasst haben. © Ortenau Klinikum

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens seines Ethikkomitees hat das Ortenau Klinikum am vergangenen Mittwoch (3. Mai 2017) einen Ethiktag veranstaltet, bei dem sich Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und weiteres Fachpersonal der Klinik ausschließlich mit Fragen zu ethischen Konfliktsituation bei der Patientenversorgung befasst haben. © Ortenau Klinikum

In ihrer Begrüßung der rund 150 Teilnehmer beglückwünschten der Ärztliche Direktor, Professor Dr. Jörg Laubenberger, und einer der Leiter des Ethikkomitees, Onko-Psychologe Bernd Hug, das Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach für das langjährige Engagement um ethische Fragen und die Arbeit des Ethikkomitees. Anschließend referierte Professor Dr. Giovanni Maio in seinem Impulsvortrag über das Thema „Ohne Zuwendung ist alles nichts – Über die Umwertung der Werte in einer ökonomisierten Medizin“. Maio stellte dabei die Auswirkungen der Ökonomisierung des Gesundheitssystems auf die Behandlung des Patienten in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Eine kritische Größe sei dabei die Zeit, die Ärzte und Pflegende für die Patienten aufbringen könnten. Der Zwang zu einem „alles muss immer schneller gehen“ und eine zunehmende Bürokratisierung hindere die Heilberufe an ihrer wichtigsten Aufgabe, eine Beziehung zum Patienten aufzubauen. Nur durch diese Beziehung könne jeder Patient als Individuum wahrgenommen werden, was Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung sei. Einer sich ausbreitenden „Checklistenrationalität“ in der Medizin stellte Maio seine „Ethik der Sorge“ gegenüber, die er unter anderem mit Begriffen wie Behutsamkeit, Hinwendung zum Anderen, Geduld, situative Kreativität und Ganzheitsverstehen definierte.

Der „Checklistenrationalität“ stellt Maio seine „Ethik der Sorge“ gegenüber

In anschließenden Workshops diskutierten die Teilnehmer verschiedene ethische Fragestellungen wie beispielsweis „Was ist Fürsorge?“, „Der Stellenwert von Wertschätzung in Zeiten von Wertschöpfung“ oder „Im klinischen Alltag die Balance finden zwischen ideellen Werten und ökonomischen Sachzwängen“. In seinem abschließenden Statement stellte Professor Dr. Giovanni Maio die Ergebnisse des Workshops wie auch die langjährige Arbeit des Ethikkomitees als eine vorbildliche, positive Gesprächskultur in den Kliniken heraus. „Ich kenne nur wenige Häuser, in denen die Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten dermaßen durch Motivation und gegenseitigen Respekt der verschiedenen Berufsgruppen geprägt ist“, betonte Maio, der seine Worte ausdrücklich nicht als eine höfliche Geste verstanden wissen wollte.

Fragen der Ethik ganz besonders wichtig am Ortenau Klinikum

In seinem Schlusswort betonte Mathias Halsinger, Verwaltungsdirektor am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach: „Der heutige Ethiktag soll Ausdruck davon sein, dass uns die Beschäftigung mit Fragen der Ethik und der inneren Achtsamkeit ganz besonders wichtig ist: Sie unterstützt eine wertschätzende Miteinanderkultur in unserem Hause. Zum Wohl unserer Patienten wollen wir uns immer wieder neu die Frage stellen, wie wir gemeinsam in einem von der Politik auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Gesundheitssystems eine enge Verknüpfung von medizinischer und pflegerischer Kompetenz mit einer gelebten Menschlichkeit aufrechterhalten können. Unser aller Ziel sind zufriedene Patienten – wesentliche Grundlage dazu sind zufriedene, motivierte Mitarbeiter.“

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.