Krankenkasse fordert Online-Sprechstunde in NRW

Nach Baden-Württemberg wird jetzt auch in Nordrhein-Westfalen über eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots sinniert. Die Techniker-Krankenkasse drängte in einem Bericht der Zeitung „Der Westen“ auf eine Änderung der veralteten ärztlichen Berufsordnung und sprach sich für den Sprung ins digitale Zeitalter aus.

Die Vorteile für Patienten seien laut Günter van Aalst, Chef der Techniker Krankenkasse in Nordrhein-Westfalen offenkundig: Patienten bräuchten keine Anfahrtswege und Wartezeiten in Kauf nehmen und kämen schneller an ärztlichen Rat. Eine Online-Sprechstunde würde auch dazu beitragen, ländliche Versorgungsengpässe abzufedern. Die Ärztekammer Nordrhein zeigte sich dem Pressebericht zufolge grundsätzlich offen. Die Berufsordnung sehe die telemedizinische Behandlung unbekannter Patienten zwar nicht vor und müsste geändert werden, telemedizinische Modellprojekte seien aber auch in Nordrhein ein gangbarer Weg.

Sprechstunde auf der heimischen Couch

In Baden-Württemberg kann der Weg zur nächsten Arztpraxis Patienten schon bald erspart bleiben. Künftig sind hier ärztliche Fernbehandlungen – beispielsweise über Internet, Smartphone-Apps oder Videotelefonie – möglich. Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das Behandlungen über Kommunikationsnetzwerke ohne vorherige Vorstellung des Patienten beim Arzt zulässt. Vorerst allerdings nur als Modellprojekt und jeweils nach Genehmigung der Landesärztekammer.

Eine entsprechende Änderung der Berufsordnung hatte die Landesärztekammer Baden-Württemberg Ende Juli beschlossen. Der zuständige Ausschuss hatte sich mit der Thematik auseinandergesetzt, nachdem eine Anfrage zur berufsrechtlichen Bewertung der Tätigkeit eines Arztes eingegangen war, der für ein ausländisches Unternehmen mittels telemedizinischer Verfahren Patienten berät. In diesem Zuge wurde erstmals eine Öffnung der Berufsordnung angeregt.

Gravierende Folgen

Bislang war Ärzten eine ausschließliche Fernbehandlung von Patienten berufsrechtlich untersagt. Nur bei allgemeinen Gesundheitsfragen oder wenn der persönliche Kontakt in erforderlichem Maße sichergestellt war, kam eine ergänzende Beratung über Print- und Kommunikationsmedien in Frage. Laut Dr. Ulrich Clever, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, war eine ausschließliche Behandlung über Telekommunikationsmedien bisher nicht vorgesehen, weil die Gefahr bestünde, dass entscheidende Fakten nicht zur Sprache kommen. Das könne im Einzelfall gravierende Folgen haben. In Baden-Württemberg feilt die Landesärztekammer jetzt offensichtlich an Lösungen der Problematik.

„Mit dieser Regelung, die nach Einschätzung unserer Rechtsaufsicht genehmigungsfähig ist, können künftig bestimmte Vorhaben als Modellprojekt den bisherigen Konflikt mit der Berufsordnung lösen“, so Dr. Clever. „Die sich daraus ergebenden Veränderungen in der Versorgung werden wir sehr genau beobachten und beim leisesten Zweifel nachjustieren“, kündigte der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg an.

Ähnliche Beiträge
Gröhe ruft Spitzentreffen zum Abrechnungsbetrug ein Der kürzlich aufgedeckte Abrechnungsbetrug in der Pflege zwingt Politiker und Funktionäre zum Handeln: Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat zu ...
Arzneimittelgesetz blockiert Online-Sprechstunden Die Landesärztekammer Baden-Württemberg fordert eine Ausnahme-Regelung für das Arzneimittelgesetz. Werde die Verordnung wie geplant umgesetzt, hebele ...
Patientenfürsprache stellt sich vor Das Ortenau Klinikum in Offenburg hat bereits im Jahr 2013 eine unabhängige Patientenfürsprache eingerichtet. Die Aufgabe wird von Ingrid Fuchs als eh...
Krankenhausverbund Clinotel vereint leistungsstarke Kliniken Abkupfern für bessere Behandlungsqualität: Der Krankenhausverbund Clinotel verspricht, leistungsstarke Kliniken noch leistungsfähiger zu machen. 50 Hä...
Frauke Sievers on EmailFrauke Sievers on FacebookFrauke Sievers on Twitter
Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung