Patientenrechte: Krankenkassen unterstützen Versicherte unzureichend

Krankenkassen in Deutschland müssen ihre Versicherten mehr bei der Wahrnehmung ihrer Patientenrechte unterstützen. Das belegt eine Studie des IGES-Instituts, mit dem der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), drei Jahre nach Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes Bilanz zieht.

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Die Studie des IGES-Instituts zeigte allerdings nicht nur Defizite auf, sondern lieferte auch positive Ergebnisse. Foto: pixabay.com © DarkoStojanovic

„Die Kassen kommen in der Studie schlecht weg“, sagte Laumann bei der Präsentation der Umfrageergebnisse in Berlin. „Da, wo sie besser steuern könnten, machen sie es nicht“, kritisierte er. Für die Studie wurden insgesamt mehr als 500 Patienten und Versicherte sowie mehr als 20 relevante Verbände befragt. Demnach kennen nur 39 Prozent aller Teilnehmer die gesetzlichen Fristen, innerhalb derer die Kassen ihre Leistungsanträge bearbeiten müssen. Und weniger als die Hälfte weiß, dass die Kassen gesetzlich verpflichtet sind, sie bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler zu unterstützen.

Mehr Transparenz von Ärzten gefordert

Staatssekretär Laumann will genauer wissen, ob und in welchem Ausmaß die Kassen Leistungen verweigern, die ihren Versicherten eindeutig zustehen oder erst im Widerspruchsverfahren genehmigen. Dazu hat er eine weitere Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse für Ende April 2017 erwartet werden. Bei den Ärzten fordert der Patientenbeauftragte der Bundesregierung ebenfalls mehr Transparenz gegenüber ihren Patienten: Laut Umfrage wissen lediglich 62 Prozent aller Befragten, dass Ärzte verpflichtet sind, von sich aus über Behandlungsalternativen aufzuklären. Bei der Herausgabe von Patientenakten verlangt Laumann mehr Kooperationsbereitschaft von den Medizinern.

Appell an Kassen und Ärzte

Laumann forderte von den Krankenkassen einen offensiveren Umgang mit Information und Aufklärung. Wenn die Kassen stärker Verantwortung für die Steuerung von Patienten durch unser Gesundheitssystem übernehmen wollten, sei das gut, so Laumann. „Wenn sie dabei ihre eigenen Pflichten allerdings nur sehr zögerlich wahrnehmen und die Versicherten darüber nicht ausreichend informieren, untergräbt das alle Anstrengungen für ein gutes Miteinander“, kritisierte der Patientenbeauftragte. Vergleichbares gelte auch für die Ärzte, wenn sie nicht über Behandlungsoptionen aufklärten. Die Studie des IGES-Instituts zeigte allerdings nicht nur Defizite auf, sondern lieferte auch positive Ergebnisse: So kennt die überwiegende Mehrheit der Befragten ihr Recht zur Einsicht der vollständigen Patientenakte. Auch wissen die meisten, dass Ärzte ausführlich über Diagnosen und Therapiemöglichkeiten informieren müssen.

 

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Frank Fischer
Redakteur