Monopolkommission warnt vor Ineffizienz der Krankenkassen

Die Monopolkommission der Bundesregierung beklagt wettbewerbliche Defizite innerhalb des deutschen Krankenversicherungssystems, die die Effizienz der Krankenversicherung vermindern und zu unnötigen Kosten für die Versicherten führen. Sie hat heute ihr 75. Sondergutachten mit dem Titel „Stand und Perspektiven im deutschen Krankenversicherungssystem” in Berlin vorgelegt. In diesem Gutachten weist sie in Bezug auf das Krankenversicherungssystem in Deutschland auf eine Vielzahl von ungenutzten wettbewerblichen Potenzialen hin. Wenn diese Potenziale gehoben würden, könnte dies die Zukunftsfähigkeit des Krankenversicherungssystems erheblich verbessern. Darüber hinaus fordert die Monopolkommission größere Spielräume der gesetzlichen Krankenversicherung beim Versorgungsmanagement  und regt eine Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs an, um Wettbewerbsverzerrungen zu beheben.

Bild: Krankenversicherung

Quo Vadis deutsches Krankenversicherungssystem? © Gina Sanders / Fotolia

Forderung nach mehr Wettbewerb

Die gesetzliche und die private Krankenversicherung (GKV und PKV) stehen vor großen Herausforderungen, unter anderem durch die fortwährend steigenden Gesundheitsausgaben. Das bestehende Krankenversicherungssystem nimmt den Versicherungen Anreize, nach Wegen für die optimale Versorgung der Patienten und Kosteneinsparungen zu suchen. Daneben ist es an der Zeit, die Chancen wahrzunehmen, die die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet, wie etwa eine bessere Prävention durch individuelle, App-basierte Dienste oder besser abgestimmte Behandlungsabläufe durch die Vernetzung von Ärzten, Patienten und Versicherungen. „Die Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb der Krankenversicherungssysteme ist Voraussetzung, um eine bessere Versorgung für die Versicherten zu gewährleisten und die Kosten zu senken”, so der Vorsitzende der Monopolkommission und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Prof. Achim Wambach.

Monopolkommission fordert Wahltarife

Um die Wettbewerbshemmnisse im Versorgungsmanagement der GKV zu vermindern und einen effektiven Qualitätswettbewerb zu schaffen, sollten Krankenkassen Tarife in Form von Wahltarifen anbieten, und das Tarifspektrum sollte erweitert werden. Möglichkeiten, die Versicherten zu Leistungserbringern zu lenken, sollten gestärkt und bei selektiven Behandlungen Beschränkungen auf Krankenhäuser, mit denen ein Qualitätsvertrag verhandelt wurde, ermöglicht werden. Der Risikostrukturausgleich sollte dahingehend weiterentwickelt werden, dass bei Mittelzuweisungen an die Kassen Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden. Regionale Unterschiede in den Ausgabenniveaus sollten sich auch in den Einnahmen der Kassen wiederfinden.

Kassenwechsel von Privatversicherten

In der PKV müssen die Wechselmöglichkeiten für Bestandskunden von einer privaten Kasse zur anderen verbessert werden. Im jetzigen System konkurrieren private Versicherungsunternehmen zwar um Neukunden. Für Bestandskunden bestehen aber kaum Möglichkeiten, das einmal gewählte Versicherungsunternehmen zu wechseln, weil sie nur einen sehr geringen Anteil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen können. Die Monopolkommission empfiehlt ein Konzept, nach welchem privat Versicherte die Möglichkeit erhalten, bei einem Versicherungswechsel ihrem Gesundheitszustand entsprechende Alterungsrückstellungen mitzunehmen. Um Hindernisse für dynamische Prozesse zu vermindern, sollten außerdem bei Unternehmenszusammenschlüssen Tarifzusammenführungen ermöglicht werden, sofern die Leistungen in den Tarifen gleichwertig sind und bei der Tarifüberführung die Belange der Versicherten gewahrt werden.

Quelle: Monopolkommission

Ähnliche Beiträge
Solidargemeinschaften – der große Wunsch nach Selbstbestimmung Weniger Bürokratie und mehr Selbstbestimmung im Gesundheitssystem – das erhoffen Mitglieder von Vereinen wie Solidago, Artabana oder Samarita. Sie hab...
600 Krankenhäuser erhalten Mittel für neue Pflegestellen Insgesamt 600 Krankenhäuser haben im ersten Projektjahr vom Pflegestellen-Förderprogramm profitiert und wollen 1.600 zusätzliche Pflegestellen...
Betrügerische Pflegedienste verhindern Kontrollen Zahlreiche ambulante Pflegedienste versuchen offenbar, die gesetzlich vorgeschriebene Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversi...
Unterfinanzierte Krankenhäuser – überfinanzierte Krankenkassen? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagiert mit Unverständnis auf den Milliarden-Überschuss der Krankenkassen. "Während die Kassen sich mit Be...
Felix Gimm on EmailFelix Gimm on FacebookFelix Gimm on Twitter
Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.