BARMER bemängelt hohe Kosten für Hilfsmittel

Die Kosten für Heil- und Hilfsmittel sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Das stellt die BARMER GEK mit Verweis auf den Heil- und Hilfsmittelreport 2016 fest. Die Kasse rechnet mit weiteren Kosten mindestens im mittleren dreistelligen Millionenbereich, sollte das kürzlich beschlossene Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz wie geplant umgesetzt werden. Sie fordert deshalb, Heilmittelausgaben stärker zu begrenzen und die Streuung von Therapeuten nach Bedarfsplanung anzupassen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hält dagegen. Sie fürchtet unzumutbare Wege für Patienten, würden Physio- oder Ergotherapiepraxen geschlossen.

Rehabilitation

„Die massiven regionalen Ausgabendifferenzen bei Heilmitteln sind rein medizinisch und durch Versorgungsunterschiede nicht erklärbar“, findet Dr. Christoph Straub, Vorstandschef der BARMER GEK. Er ruft dazu auf, die Leitlinien zu konkretisieren und das Verordnungsverhalten der Ärzte zu untersuchen. Die kassenärztlichen Vereinigungen sollten sich darüber austauschen, wodurch der regional so unterschiedliche Einsatz von Heilmitteln zustande komme. Ärzte müssten das verordnen, was medizinisch erforderlich und wirtschaftlich ist, heißt es in der Meldung weiter.

Bedarfsplanung für Therapeuten

Auch eine aus dem Bericht hervorgehende Streuung der Therapeuten ist der Krankenkasse ein Dorn im Auge. „Es gibt keinen Grund, warum einige Regionen mehr als doppelt so viele Physiotherapeuten brauchen sollten als andere“, zitiert die BARMER GEK in ihrer Pressemeldung den Verfasser des Reports, Prof. Daniel Grandt und rät zu einer Bedarfsplanung für Therapeuten. Während in Nordrhein-Westfalen ein Physiotherapeut auf 2137 Versicherte der Barmer GEK komme, sei das Verhältnis in Brandenburg einer zu 806.

„Wir als Patientenberatung sehen eine solche Entwicklung kritisch“, entgegnet Heike Morris, juristische Leiterin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland gegenüber dem Patientenportal Saluway. Sie sieht die Patientenrechte in Gefahr. Gerade in ländlichen Gebieten könnte die Begrenzung von Heilmittelpraxen insbesondere ältere und hilfsbedürftige Menschen von der Versorgung abschneiden. „Es ist etwas anderes, eine längere Anfahrt zu einem seltenen Facharztbesuch zu tätigen, als dies bei mehrmals in der Woche stattfindenden Heilmittelanwendungen zu realisieren.“

Stärkere Reglementierung der Heilmittel

Kritisch sieht die Patientenberatung auch die geforderte stärkere Budgetierung der Heilmittel. Das Budget für Heilmittel sei jetzt schon reglementiert. Heilmittelrichtgrößenvereinbarungen würden je nach Fachgebiet bestimmen, in welchem Umfang Ärzte Mittel verordnen dürfen. „Liegen keine Praxisbesonderheiten vor und die Ausgaben für Heilmittel mehr als 15 Prozent über dem Budget, wird ein Prüfverfahren gegen den Arzt eingeleitet“, so die juristische Leiterin der UPD weiter. Bei mehr als 25 Prozent habe der Mediziner die Kosten aus eigener Tasche zu zahlen.

Dem pflichtet auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung bei: „Schon heute unterliegen von Ärzten veranlasste Heilmittel der Wirtschaftlichkeitsprüfung“, sagt KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl und berichtet: „Auf Bundesebene haben wir uns gerade erst Ende September wieder mit dem GKV-Spitzenverband auf Rahmenvorgaben für Heilmittel im Jahr 2017 geeinigt.“ Darauf basierend würden die regionalen Heilmittelvorgaben zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen der Länder beschlossen. Der von der Barmer GEK geforderte regelmäßige Austausch der Kassenärztlichen Vereinigungen zum Thema Heilmittel bestehe bereits.

Gesetz tritt im März in Kraft

Ende August hatte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Heil- und Hilfsmittelverordnung beschlossen. Der Entwurf zielt darauf ab, Versicherte schneller und besser mit Hilfen wie Schuheinlagen, Prothesen, Rollstühlen oder Hörgeräten zu versorgen. Zugleich soll die Stellung der Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen aufgewertet werden. Unter anderem sieht das Schreiben eine Blankoverordnung von Heilmitteln vor. Die Mittel werden weiterhin vom Arzt verschrieben, Physio-, Ergotherapeuten etc. bestimmen aber die Auswahl und die Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten. Das Gesetz soll im März 2017 in Kraft treten.

Ähnliche Beiträge
600 Krankenhäuser erhalten Mittel für neue Pflegestellen Insgesamt 600 Krankenhäuser haben im ersten Projektjahr vom Pflegestellen-Förderprogramm profitiert und wollen 1.600 zusätzliche Pflegestellen...
BPiK kämpft auf Deutschem Krankenhaustag für Patientenrechte Mehr Transparenz, größere Patientenzufriedenheit und Stärkung der Rechte von Patienten: Auf seiner ersten Fachtagung im Rahmen des Deutschen Krankenha...
Pflegeversicherung: Mehrheit der Deutschen ist unzureichend über neues Pflegesystem informiert Die zum Jahreswechsel anstehenden umfassenden Veränderungen in der Pflegeversicherung sind der Mehrheit der Deutschen unbekannt. Trotz intensiver öffe...
Erste bundesweite Fachtagung für Patientenfürsprecher Der Bundesverband Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e.V. (BPiK) veranstaltet am 16. November 2016 auf dem 39. Deutschen Krankenhaustag im Rahmen ...
Frauke Sievers on EmailFrauke Sievers on FacebookFrauke Sievers on Twitter
Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung