Vom Staatsanwalt zum Patientenfürsprecher

Am 26. Januar veranstalten Krankenhäuser bundesweit zum zweiten Mal den Tag des Patienten. Aus diesem Anlass stellt Saluway in einer Serie bis Ende Januar jeden Montag einen Patientenfürsprecher vor. Den Anfang macht Hans-Jürgen Mahnkopf vom DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in Hannover. Schon als Oberstaatsanwalt klagte Hans-Jürgen Mahnkopf Ärzte und Angehörige medizinischer Berufe vor Gericht an. Seit knapp einem Jahr engagiert sich der Pensionär im DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in Hannover mit ähnlich wachem Auge ehrenamtlich für die Rechte von Krankenhauspatienten. Mahnkopf gilt als einer der ersten Patientenfürsprecher in einem Bundesland, das nach unbemerkten Massenmorden eines Pflegers jedes Krankenhaus gesetzlich zum Einsatz der Klinik-Schlichter verpflichtete. Im Saluway-Interview zieht Mahnkopf kurz vor dem bundesweiten Tag des Patienten am 26. Januar eine erste Bilanz seiner Arbeit.

Hans-Jürgen Mahnkopf, Patientenfürsprecher im Clementinenhaus Hannover. Foto: Visioness

 

Warum haben Sie sich dafür entschieden, Patientenfürsprecher zu werden?

Hans-Jürgen Mahnkopf: Ich habe in über 15 Jahren als Abteilungsleiter der Staatsanwaltschaft Hannover Verfahren gegen Angehörige der Medizin durchgeführt und dabei viel Sacherfahrung gesammelt. Das wollte ich auch nach meiner Pensionierung weiter nutzen und Patienten helfen – allerdings nicht mehr als Staatsanwalt.

Inwiefern überschneidet sich ihr früherer Beruf als Oberstaatsanwalt mit den Aufgaben eines Patientenfürsprechers?

Hans-Jürgen Mahnkopf: Überschneidungen sehe ich besonders in der Möglichkeit, Leute zu befragen, anzuhören und ihre Angaben werten zu können. Bei der Einschätzung, ob Aspekte, die mir vorgetragen werden, so zutreffend sind, hilft mir meine Erfahrung als Staatsanwalt. Inzwischen sehe ich mich aber nicht mehr als Ermittler, sondern als Mediator. Kommunikation ist das Allerwichtigste. Meine zentrale Aufgabe ist es, zuzuhören und dafür zu sorgen, dass die Fragen der Patienten und Angehörigen schnell beantwortet werden. Ich habe das Recht und bin unabhängig genug, jeden Angestellten der Klinik zu befragen – auch, wenn es sich dabei um Mitglieder der Geschäftsführung handelt.

Sie sind seit knapp einem Jahr in dieser Position. Mit welchem Erfolg?

Hans-Jürgen Mahnkopf: 90 Prozent der Gespräche verlaufen positiv. Bei mir kommt auch viel Lob an. Immer wieder höre ich, dass das Clementinenhaus ein tolles Krankenhaus ist, in dem sich Ärzte und Schwestern hervorragend um die Patienten kümmern. Es werden aber auch Dinge an mich herangetragen, die nicht ganz so positiv sind. Ich fühle mich in solchen Fällen als Mediator und Kommunikator. Nach den Gesprächen sind die Dinge zumeist zu einem guten Ende gebracht, weil die Menschen sich ernstgenommen fühlen. Seit ich dort tätig  bin, gab es keinen Fall, bei dem eine entscheidende Diskrepanz zwischen Klinik und Patienten oder Angehörigen verblieben ist. Ich hätte aber auch kein Problem damit, in entsprechenden Fällen die Staatsanwaltschaft einzuschalten, wenn es nötig wäre.

Fällt Ihnen ein Beispiel für einen Konfliktfall ein?

Hans-Jürgen Mahnkopf: Es ist 17 Uhr, als ich erfahre, dass eine Frau seit dem frühen Morgen ohne Essen und Trinken auf eine Ultraschall-Untersuchung wartet. Der behandelnde Arzt hat sich für den Tag krank gemeldet, ein anderer ist auf einem Lehrgang. Die Assistenzärztin hätte in dem Fall einen anderen Oberarzt einschalten oder die Behandlung abbrechen müssen. Ich habe dafür gesorgt, dass die Frau schnellstens etwas zu essen und trinken bekommt. Die Untersuchung wurde dann auf einen anderen Tag verschoben.

Was ist in Bezug auf Patientenfürsprecher in Niedersachsen anders als in anderen Bundesländern?

Hans-Jürgen Mahnkopf: In manchen Bundesländern ist man schon viel weiter; in anderen Bundesländern gibt es nach wie vor keine Patientenfürsprecher, sondern nur ein vom Krankenhaus bezahltes „unabhängiges“ Beschwerdemanagement. In Niedersachsen war der angesprochene fürchterliche Skandal Auslöser für den verpflichtenden Einsatz von Patientenfürsprechern. Ein Pfleger hat auf heimtückische Weise in Oldenburg und Delmenhorst Menschen umgebracht. Die Krankenhäuser sind damals sicherlich nicht richtig damit umgegangen, Kollegen haben zu lange weggesehen. Das Land änderte daraufhin das Krankenhausgesetz und schrieb Kliniken Patientenfürsprecher vor. Leider hat das Gesetz immer noch Lücken, die nunmehr durch eine Gesetzesnovelle gefüllt werden sollen. Zum Beispiel sind manche Verbünde von Krankenhäusern der Ansicht, ein  Patientenfürsprecher für alle  Häuser reiche aus. Da muss der Gesetzgeber nachbessern.

Was wünschen Sie sich darüber hinaus?

Hans-Jürgen Mahnkopf: Wichtig wäre eine Grundausbildung in Mediation und Kommunikation für alle Patientenfürsprecher. Ebenso sollte es eine medizinische Grundausbildung geben. Die Niedersächsische Ärztekammer hat eine solche bereits angeboten. Jetzt muss es nur noch umgesetzt werden. Was wir als Bundesverband der Patientenfürsprecher in Krankenhäusern (BPiK) darüber hinaus fordern, sind einheitliche Handlungsrichtlinien für jedes Bundesland sowie eine klare Abgrenzung zwischen Beschwerdemanagement und Patientenfürsprechern. Beides wird derzeit vom BPiK in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Beschwerdemanagement (BBfG ) vorbereitet.

Dass Patientenfürsprecher unabhängig sein sollten, versteht sich von selbst. Gerade deshalb können sie aber nicht Teil des Beschwerdemanagements sein. Das würde sich widersprechen, weil Beschwerdemanager anders als Patientenfürsprecher Angestellte des Krankenhauses sind. Das Bewusstsein dafür möchte der BPiK am 26. Januar zum zweiten Tag des Patienten schaffen.

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Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung