Uniklinik Heidelberg stellt fehlerfreie Rezepte aus und wird dafür ausgezeichnet

Zahlendreher, das Kreuz an der falschen Stelle oder eine unkorrekte Behandlungsdauer: formal fehlerhafte Rezepte können schwerwiegende Folgen haben und massiv die Patientensicherheit gefährden. Das Universitätsklinikum Heidelberg hat deshalb ein System entwickelt, mit dem die formale Qualität der Rezepte erhöht werden soll. Für ihr erfolgreiches Modell ist sie kürzlich vom Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit ausgezeichnet worden.

Bild: Das Universitätsklinikum Heidelberg hat deshalb ein System entwickelt, mit dem die formale Qualität der Rezepte erhöht werden soll. © fotofabrik / Fotolia

Das Universitätsklinikum Heidelberg hat deshalb ein System entwickelt, mit dem die formale Qualität der Rezepte erhöht werden soll. © fotofabrik / Fotolia

Typische Rezeptfehler

Ein extremes Beispiel für einen Rezeptfehler kommt aus Großbritannien: Dort wurde bei einem Insulinrezept aus schwer leserlichen 6 IU (international Units) 61 Units, also die 10-fache Dosis Insulin für den Patienten, was schwerwiegende Folgen gehabt hätte, wäre der Fehler nicht noch entdeckt worden. Es muss aber nicht immer so drastisch zugehen. Auch ein kleiner formaler Fehler in einem Therapierezept kann zur Folge haben, dass die Behandlung sich verzögert und der schmerzgeplagte Patient nochmals zum Arzt muss, weil die Praxis eine Nachbesserung des Rezeptes braucht. Wie Mediziner haften auch Apotheker, wenn durch Fehler im Rezept ein falsches, gefährliches Medikament herausgegeben wurde.

Uniklinik Heidelberg reagiert auf fehlerhafte Rezepte

Dieses Problem ist 2012 an der Universität Heidelberg erkannt worden. Studien hatten ergeben, dass „einige Rezepte formal so missverständlich ausgestellt waren, dass eine Rückfrage der zuständigen Apotheke in den Ambulanzen notwendig war“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uniklinik Heidelberg. Das war 2012 an der Uniklinik noch bei fast jedem vierten Rezept der Fall. Das Krankenhaus rief deshalb eine Initiative ins Leben, die mittels eines Monitorings die formale Qualität der Rezepte erhöhen sollte. Teil dessen ist eine Rechtschreibsoftware, die Rezepte prüft. Öffentliche Apotheken in der Region werden konsequent wissenschaftlich begleitet. Ambulanzen werden in Bezug auf die Ausstellung der Rezepte betreut und geschult. Das erhöhte die formale Qualität der Rezepte ganz wesentlich. 2013 sanken laut Aussage des Uniklinikums die Rückfragen bei fehlerhaften Rezepten aus dem Haus von 23 Prozent auf 8,6 Prozent. 2015 waren es 4,1 Prozent.

Die Vorsitzende des APS, Hedwig François-Kettner, sieht das Projekt als vollen Erfolg: „Die Initiative hat Vorbildcharakter. Sie kann als Prototyp zur Optimierung der Rezeptqualität angesehen werden“. Für dieses erfolgreiche Engagement in Sachen Patientensicherheit ehrte das Aktionsbündnis Patientensicherheit das Universitätsklinikum Heidelberg Anfang Mai anlässlich der 12. Jahrestagung in Berlin mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit 2017.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit

2005 als gemeinnütziger Verein gegründet, setzt sich das APS für eine sichere Gesundheits-versorgung ein und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden. Dabei setzten Sie auf Unabhängigkeit, Fachkompetenz und Multidisziplinäre Vernetzung – von der Praxis für die Praxis. Als Vertreter aller Gesundheitsberufe und -institutionen, Patientenorganisationen und Interessierter, bringt dieses Netzwerk aus einer Reihe konkreter Projekte in Arbeits- und Expertengruppen Handlungsempfehlungen, Patienteninformationen und Publikationen hervor, die kostenlos an alle Einrichtungen im deutschen Gesundheitswesen sowie Patienten und deren Angehörigen gehen.

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Praktikant
Jahrgang 1979, geboren in Ulm.