Transplantationen in Jena, Hamburg und Leipzig manipuliert

Bei Transplantationen an den Unikliniken in Jena, Hamburg-Eppendorf und Leipzig ist systematisch manipuliert worden. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Jahresbericht der Prüfungskommission von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen hervor.

Die Prüfungen in Jena beziehen sich auf die Jahre 2013 bis 2015. Hierbei wurden für den Bereich der Lungentransplantationen systematischen Richtlinienverstöße und Manipulationen erkannt. Auch Kliniken in Hamburg-Eppendorf und Leipzig sollen von 2010 bis 2012 bei Lungentransplantationen systematisch Patientendaten manipuliert haben. Insbesondere im Hinblick auf die Beatmungssituation, die Blutgaswerte und die Diagnosestellung seien „in erheblichem Umfang“ Falschangaben gemacht worden, heißt es von Seiten der Kommission. Dabei seien auch Originaldokumente verändert worden.

Insgesamt zieht die Prüfungskommission aber ein positives Fazit. © Visioness

Insgesamt zieht die Prüfungskommission aber ein positives Fazit. © Visioness

Kliniken zeigen nur zum Teil Einsicht

Das Uniklinikum Jena reagiert gelassen auf die Vorwürfe, dass bei 11 von insgesamt 25 überprüften Patienten Regelverstöße festgestellt wurden. Personelle Konsequenzen habe es bereits 2015 gegeben. Die Abläufe seien korrigiert. Dr. Jens Maschmann, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Jena zeigt sich zuversichtlich, dass „das Zentrum in Zukunft derartige Falschangaben nicht mehr tätigen wird.“ In Leipzig geht die Kommission bei insgesamt 53 Transplantationen in den Jahren 2010 bis 2012 von 29 Manipulationen aus. Das ist mehr als die Hälfte. Auch in Sachsen überwiegt Einsicht: „Berechtigte Kritikpunkte aus dem Prüfungsbericht erkennen wir an“, heißt es in der Stellungnahme der Klinik.

Lediglich das Hamburger Uniklinikum geht auf Konfrontationskurs: „Dass die Vorsitzende der Prüfungs- und Überwachungskommission Frau Anne-Gret Rinder (…) das UKE in entsprechende Vorwürfe einbezieht, entbehrt jeder Grundlage. Das UKE wird Rechtsmittel einlegen.“ 14 von 25 Transplantationen sollen innerhalb des Transplantationsprogramms manipuliert gewesen sein.

Bisher keine weiteren Manipulationen

Insgesamt zieht die Prüfungskommission aber ein positives Fazit. In jüngsten Untersuchungen haben Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband, die als Träger der Kommission fungieren, 21 Transplantationsprogramme unter die Lupe genommen. Der Großteil der Kliniken habe korrekt gearbeitet. So gebe es unter anderem bei Nierentransplantationen keine Verstöße.

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.