Patientenfürsprache ist wie ein 6er im Lotto

Barbara Menzebach ist Patientenfürsprecherin am Klinikum Dortmund, Klinikzentrum Nord. Im Interview spricht sie über ihre Beweggründe, warum sie sich als Patientenfürsprecherin ehrenamtlich engagiert.

Barbara Menzebach

Barbara Menzebach ist seit Mai 2014 Patientenfürsprecherin am Klinikum Dortmund.

Wie empfinden Sie Ihre Aufgabe als Patientenfürsprecherin am Klinikum Dortmund?

Barbara Menzebach: Ich bin seit Mai 2014 im Amt und empfinde meine Arbeit als äußerst befriedigend. Weil ich helfen kann. Hinzu kommt, dass ich im Klinikum Dortmund eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und Bedingungen habe: Mein Büro ist direkt im Eingangsbereich, ich erfahre im Klinikum Dortmund eine sehr hohe Akzeptanz, bin stets in das Klinikgeschehen eingebunden und kann Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen. Gleiches gilt auch für meine Kollegin Hannelore Bauer, die Patientenfürsprecherin im Klinikzentrum Mitte ist.

Welche Erfahrungen haben Sie als Patientenfürsprecherin gesammelt?

Barbara Menzebach: Die wichtigste Erfahrung ist: Patienten in Krankenhäusern brauchen einen Beistand. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die zu Missverständnissen führen und die wir gemeinsam regeln können. Dann genügt es manchmal schon, einfach nur zu zuzuhören. Es gab und wird aber auch immer wieder Fälle geben, in denen Worte fehl am Platz sind. Dann nehmen wir Patienten schon mal in den Arm. Auch das hilft. Insgesamt kann ich sagen, dass Patientenfürsprecherin zu sein für mich wie ein 6er im Lotto ist. Wir Patientenfürsprecher treffen auf Menschen in einer Ausnahmesituation, bei denen es um Leben und Tod gehen kann – diese Gespräche prägen einen natürlich, aber sie bereichern auch ungemein.

Warum sind Sie Patientenfürsprecherin geworden?

Barbara Menzebach: Ich habe mich schon immer für Menschen eingesetzt, sie unterstützt und beraten – auch im Ruhestand lässt mich dieses Bedürfnis nicht los. Ich war viele Jahre politisch aktiv und bin über eine Fraktionskollegin, die vor mir als Patientenfürsprecherin am Klinikum Dortmund gearbeitet hat, auf die Patientenfürsprache aufmerksam geworden. Diese ehrenamtliche Tätigkeit habe ich übernommen, weil ich meine Lebenserfahrung einbringen und Menschen damit unmittelbar helfen kann.

Was erwarten Sie vom Bundesverband Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e.V. (BPiK)?

Barbara Menzebach: Zunächst möchte ich mal sagen, dass der BPiK aus meiner Sicht eine sehr gute Arbeit macht. Es ist wichtig, die Bedeutung für das Amt des Patientenfürsprechers auf die bundesweite Ebene zu stellen. Deshalb sind sowohl Hannelore Bauer als auch ich Gründungsmitglieder des Bundesverbands Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e.V. – wohlwissend, dass es sehr viel Zeit und Energie braucht, Aufmerksamkeit für dieses Ehrenamt zu gewinnen. Der BPiK sollte hier weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um Patientenfürsprecher mit Rat und Hilfe zu unterstützen. Ich halte selbst viele Vorträge über meine Arbeit als Patientenfürsprecherin und weiß, wie langwierig es ist, ein Bewusstsein für die Patientenfürsprache zu schaffen. In Dortmund haben wir beste Voraussetzungen und auch die lokalen Medien berichten regelmäßig über unsere Arbeit; im Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen spüren wir aber, dass über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus noch viel getan werden muss, um Patientenfürsprecher in der breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen. Das kann nur ein Bundesverband tun.

Am 26. Januar 2017 findet der zweite Tag des Patienten statt – wie bewerten Sie diesen bundesweiten Aktionstag?

Barbara Menzebach: Der Tag des Patienten ist enorm wichtig, um Patienten in Kliniken und Krankenhäusern mehr Schutz, mehr Sicherheit und vor allem mehr Information zu bieten. Ich beobachte immer wieder, dass Patienten, die sich in der Ausnahmesituation Krankenhaus verstanden fühlen und gut informiert werden, auch schneller genesen. Hannelore Bauer und ich werden am Tag des Patienten mit einem Infostand jeweils im Eingangsbereich des Klinikzentrums Mitte und des Klinikzentrums Nord auf unsere Arbeit als Patientenfürsprecher sowie auf das Thema Patientenrechte aufmerksam machen. Aus meiner Sicht sollten sich möglichst viele Kliniken und Krankenhäuser beteiligen, denn: Ein informierter Patient ist in der Regel auch ein zufriedener Patient.

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