“Wir sind die Betriebsräte der Krankenhauspatienten”

Michael Wardenga, 2. Vorsitzender des Bundesverbandes Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e.V. (BPiK), erlitt in seinen jungen Jahren zwei schwere Unfälle. In beiden Fällen hätte er gerne mit jemanden gesprochen, der sich für seine Probleme interessiert. Seit viereinhalb Jahren tut er deshalb genau das – als Patientenfürsprecher im Wichernkrankenhaus in Berlin-Spandau. Im Interview stellt er die wichtige Aufgabe vor.


Seit wann sind Sie Patientenfürsprecher und aus welchem Beweggrund haben Sie diese Herausforderung angenommen?

Michael Wardenga: Seit etwas mehr als viereinhalb Jahren bin ich als Patientenfürsprecher am Wichernkrankenhaus in Berlin-Spandau tätig. In meinem früheren Leben bin ich zweimal in die Situation gekommen in der ich mir gewünscht hätte, mit jemanden reden zu können, der mir hilft, bestimmte Dinge zu ändern. Das war einer der wichtigsten Beweggründe.

Michael Wardenga, 2. Vorsitzender des Bundesverbandes Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e. V. (BPiK) © BPiK

Michael Wardenga, 2. Vorsitzender des Bundesverbandes Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e. V. (BPiK) © BPiK

Sie haben ein Erklärungsvideo produzieren lassen, in dem die Arbeit des Patientenfürsprechers vorgestellt wird – zu welchem Zweck haben Sie das veranlasst?

Michael Wardenga: Meine Idee war folgende: Wenn ein Patient geplant in ein Krankenhaus geht, beispielsweise für eine Operation an der Hüfte, ist er davor in fachärztlicher Behandlung. Der Krankenhausaufenthalt wird in der Regel vom behandelnden Arzt angewiesen. Nun gibt es in manchen Arztpraxen ein „Praxis-Fernsehen“ und hier kommt das Video ins Spiel: Wir möchten, noch bevor der Patient ins Krankenhaus kommt, auf den Patientenfürsprecher aufmerksam machen. Das machen wir natürlich nicht nur in den Praxen, sondern nutzen dazu alle Kanäle, auch die Sozialen Netzwerke. Denn es muss nicht, aber es kann sein, dass ein Patient die Hilfe eines Patientenfürsprechers in Anspruch nehmen muss. In diesem Fall ist es enorm wichtig, dass die Position des Patientenfürsprechers überhaupt bekannt ist. Wenn ich nicht weiß, dass es eine solche Anlaufstelle gibt, kann ich sie auch nicht um Unterstützung bitten. So einfach ist das.

Thema Patientenfürsprache: Hat sich aus Ihrer Sicht mit der Gründung des BPiK im vergangenen Jahr etwas geändert?

Michael Wardenga: Der BPiK hat aus meiner Sicht im vergangenen Jahr einiges bewegt. Dennoch müssen wir uns weiter anstrengen, um den Patientenfürsprechern in den Krankenhäusern den Rücken zu stärken. Ich erlebe, dass viele Kolleginnen und Kollegen ganz unterschiedliche Arbeitsplatzbedingungen haben. Manchen wird noch nicht einmal ein Platz in einem Büro gewährt. Es gibt Fälle, da sitzt der Patientenfürsprecher in der Caféteria eines Krankenhauses – hier sind wir als BPiK gefragt und müssen noch mehr tun, um die Position des Patientenfürsprechers zu stärken. Wir sind die Betriebsräte der Krankenhauspatienten und benötigen für unsere Arbeit Bedingungen, unter denen wir vernünftig für Patienten da sein können. Das muss nicht gleich ein eigenes Büro sein. Ich selbst teile mir ein Büro mit der Überleitungspflege des Wichernkrankenhauses und kann dort am Nachmittag in Ruhe arbeiten.

“Ein Recht, von dem ich keine Ahnung habe, dass es existiert, kann ich nicht einfordern.”

Was ist der Unterschied zwischen einem Patientenfürsprecher und einem angestellten Beschwerdemanager?

Michael Wardenga: Bei einem im Krankenhaus angestellten Beschwerdemanager besteht die Gefahr der Befangenheit, denn er wird schließlich vom Krankenhaus bezahlt. Hinzu kommt – und hier kann ich nur für Berlin sprechen – dass das Ergebnis einer Beschwerde nicht zwingend mitgeteilt werden muss. Sprich, die Beschwerde wird zwar aufgenommen, aber was wirklich danach geschieht, das weiß häufig keiner.

Wir Patientenfürsprecher in Berlin sind da in einer sehr guten Position, denn: wir haben das Recht nach einem Ergebnis zu fragen und können die Vorgänge kontrollieren. Am Ende eines Jahres müssen wir einen Bericht erstellen, ob und wie verschiedene Probleme gelöst wurden. Das heißt, wendet sich ein Patient oder Angehöriger mit einem Problemfall an uns Patientenfürsprecher in Berlin kann er sicher sein, dass wir dem solange nachgehen, bis ein Ergebnis vorliegt.

Möglich ist das alles aber nur, wenn Patienten in Krankenhäusern wissen, dass es Patientenfürsprecher gibt. Patientenfürsprecher kosten nichts, wir arbeiten ehrenamtlich und bieten Unterstützung in vielen Belangen. Deshalb meine Bitte: Informieren Sie ihre Familie, Bekannte und Verwandte über die Arbeit des Patientenfürsprechers und teilen Sie unser Video.

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Frank Fischer
Redakteur