Notaufnahmen-Revolution in Hamburg

Im Kampf gegen überfüllte Notaufnahmen will die Stadt Hamburg gemeinsam mit Kliniken und Ärzten neue Wege gehen. Organisatorische Veränderungen und eine Notfallgebühr für Patienten stehen zur Diskussion. Als mögliche Blaupause für das gesamte Stadtgebiet startet 2017 ein Pilotprojekt am Asklepios Klinikum Harburg.

Mindestens jeder dritte Patient könnte genauso gut in der Praxis eines niedergelassenen Arz-tes behandelt werden, ergab ein bundesweites Gutachten © Ortenau Klinikum.

Mindestens jeder dritte Patient könnte genauso gut in der Praxis eines niedergelassenen Arz-tes behandelt werden, ergab ein bundesweites Gutachten © Ortenau Klinikum.

In Zukunft sollen Hamburgs Notaufnahmen konzentriert zusammengefasst werden. Momentan bestehen 21 Notfallambulanzen im gesamten Stadtgebiet. Die wichtigste organisatorische Änderung betrifft die Aufnahme neuer Patienten. Diese soll in Zukunft von niedergelassenen Ärzten koordiniert werden. Die Mediziner entscheiden dann, welche Patienten wohin weitergeleitet werden. Das „Hamburger Abendblatt“ hatte von fortgeschrittenen Gesprächen zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVHH) und den Krankenhäusern berichtet. Der Pressesprecher der KVHH, Dr. Jürgen Kriens, bestätigt die Gespräche: „Vom Gesetzgeber sind wir beauftragt worden, in Zusammenarbeit mit unseren Partnern, die Notfallversorgung zu reformieren. Diese Gespräche laufen zurzeit, sowohl mit den Krankenhäusern als auch mit der Behörde.“ Gemeint ist die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz unter Leitung von Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Der erste Schritt ist der Start eines Pilotprojekts Asklepios Klinikum Harburg Anfang 2017. Dort wird ein neues Notfallzentrum, mit integrierter Kassenarztpraxis errichtet.

Kommt die Notfallgebühr für Patienten?

Bereits Anfang September hatte der Verband der Ersatzkassen (vdek) ein Gutachten des Gesundheitsforschungsinstituts AQUA vorgestellt. Verschiedene Reformvorschläge für die ambulante Notfallmedizin wurden präsentiert. Darunter auch die Einführung von kassenärztlichen Sitzen in Krankenhäusern, die die Patientenströme lenken sollen. Die Reaktionen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden Württembergs und Berlin auf die Vorschläge waren verhalten. „Wenn es an allen Kliniken Portalpraxen gäbe, dann würden Menschen mit akuten Beschwerden nur noch dorthin gehen“, sagte Johannes Fechner, Vizechef der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), der Stuttgarter  Zeitung. Gegenvorschlag der Kassenärzte ist eine Notfallgebühr von 20 Euro, die Patienten in der Notaufnahme zu zahlen hätten. Tatsächliche Notfälle würden ihre Zahlung zurückerstattet bekommen. Denn viele Patienten, die in die Notfallambulanz strömen, seien besser in der ambulanten hausärztlichen Versorgung aufgehoben, so der Tenor der Ärzte.

Belastung ist enorm

Elf Millionen ambulanter Notfälle gibt es laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) im Jahr. Mindestens jeder dritte Patient könnte genauso gut in der Praxis eines niedergelassenen Arztes behandelt werden, ergab ein bundesweites Gutachten. Und doch kommen Jahr für Jahr mehr Patienten direkt in die Notaufnahme. Im Jahr 2015 waren es im Hamburger Universitätsklinikum zum Beispiel 73.000 Menschen, 2.000 mehr als im Jahr zuvor. “Viele Patienten wissen heute nicht, an wen sie sich im Notfall wenden sollen”, sagt die Vorsitzende des vdek, Ulrike Elsner.

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.