Behandlungsfehler im Krankenhaus zurückgegangen

Die gesetzlichen Krankenkassen melden einen Rückgang von medizinischen Behandlungsfehlern. Statt 4046 im Jahr 2015 verzeichnete der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) 3.564 Fälle für das Jahr 2016, davon etwa 2268 im Krankenhaus.

Bild: Die gesetzlichen Krankenkassen melden einen Rückgang medizinischer Behandlungsfehler. © visivasnc / Fotolia

Die gesetzlichen Krankenkassen melden einen Rückgang medizinischer Behandlungsfehler. © visivasnc / Fotolia

„Jeder Fehler ist ein Fehler zu viel. Doch wir sind hier im Promillebereich und in internationaler Spitzenposition“, sagt Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Er verweist darauf, dass pro Jahr 19 Millionen stationäre und 20 Millionen ambulante Fälle im Krankenhaus behandelt werden.

Aus der Statistik des MDK geht hervor, dass 2016 rund 15.000 Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt wurden. In knapp jedem vierten der untersuchten Fälle bestätigten die Fachärzte den Verdacht der Patienten. Zwei Drittel der Vorwürfe betrafen Behandlungen in der stationären Versorgung, ein Drittel bezog sich auf Behandlungen durch niedergelassene Ärzte. 7.765, also gut die Hälfte aller Vorwürfe, standen in direktem Zusammenhang mit Operationen.

Die meisten Vorwürfe gab es im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie © MDS/MDK

Die meisten Vorwürfe gab es im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie © MDS/MDK

Die meisten Vorwürfe im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie

Bei der Verteilung auf die Fachbereiche bezog sich laut MDK jeder Dritte Vorwurf auf die Orthopädie und Unfallchirurgie, 12 Prozent auf die Innere Medizin und Allgemeinmedizin, weitere 9 Prozent auf die Allgemeinchirurgie, ebenfalls 9 Prozent auf die Zahnmedizin, 7 Prozent auf die Frauenheilkunde und 4 Prozent auf die Pflege.

Meldepflicht für Behandlungsfehler gefordert

Die sinkenden Zahlen bedeuteten allerdings kein generell verringertes Risiko für Patienten, einen Behandlungsfehler zu erleiden, so der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bei der Vorstellung der Statistik. Trotz erkennbarer Fortschritte müsse die Fehlerprävention in Deutschland systematisch weiterentwickelt werden. Die Einführung einer Meldepflicht wie zum Beispiel in Großbritannien sei dabei ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Sicherheitskultur. Gleiches gelte für die notwendige Intensivierung der Forschung zur Patientensicherheit in Deutschland. „Jeder Fehler, aus dem heute nichts gelernt wird, kann sich morgen wiederholen und erneut vielleicht einen schweren Schaden verursachen“, erläutert Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS).

Hintergrund

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und der Pflegeversicherung. Im Falle eines Behandlungsfehlerverdachts wenden sich Patienten zunächst an ihre Krankenkasse, die den MDK dann mit einer Begutachtung beauftragen kann. Spezielle Gutachterteams prüfen die Vorwürfe. Die Gutachter gehen dabei der Frage nach, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard abgelaufen ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, wird außerdem geprüft, ob der erlittene Schaden durch den Fehler verursacht worden ist. Nur dann sind Schadensersatzforderungen aussichtsreich. Auf der Basis des MDK-Gutachtens kann der Patient entscheiden, welche weiteren Schritte er unternimmt. Gesetzlich Versicherten entstehen durch die Begutachtung keine zusätzlichen Kosten.

 

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.