Zahl der Krebs-Neuerkrankungen steigt

Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland ist aktuell beinahe doppelt so hoch wie 1970. Auch die Zahl der Todesfälle ist höher, wenn auch nur geringfügig. Der erste “Bericht zum Krebschgeschehen” der diese Woche in Berlin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Professor Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, vorgestellt wurde, nennt die Gründe.

Bericht zum Krbesgeschehen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lothar H. Wieler und dem Leiter des Zentrums für Klinische Epidemiologie (ZKE), Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH (Foto: BMG/Schinkel)

In Deutschland sterben mehr Menschen an Krebs als vor drei Jahrzehnten. Gab es 1980 rund 193.000 Todesfälle, waren dies 2014 etwa 224.000. „Krebs ist in Deutschland nach wie vor die zweithäufigste Todesursache“, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Menschen, die einem Krebsleiden erliegen, werden im Schnitt 74 Jahre alt – vier Jahre älter als noch 1980. Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen hat sich zwischen 1970 und 2013 auf etwa 482.500 nahezu verdoppelt. Die Hauptursache für den Anstieg der Neuerkrankungen ist nach Angaben der Experten die Tatsache, dass Menschen immer älter werden und für fast alle Krebsarten das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Lebensalter steigt. In der Bundesrepublik leben derzeit rund vier Millionen Menschen, die in ihrem Leben schon einmal an Krebs erkrankt sind.

Weniger Lungenkrebserkrankungen

Die gute Nachricht: Wird die Alterung der Gesellschaft herausgerechnet, sinken seit einigen Jahren die Erkrankungsraten. Beispielsweise erkranken weniger Männer an Lungenkrebs, da es weniger Raucher gibt. Die geringeren Raucherquoten bei Frauen und Jugendlichen haben jedoch noch keine Auswirkung auf die Krebsstatistik; bei Frauen steigen die Lungenkrebsraten nach wie vor an. Neben dem Lungenkrebs bei Männern sind vor allem die Krebserkrankungen des Magens und des Darms rückläufig. Langfristig wird auch ein Rückgang beim Gebärmutterhalskrebs verzeichnet. „Die Erfolge bei der Krebsbekämpfung haben inzwischen auch zum Anstieg der Lebenserwartung beigetragen“, unterstreicht Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Angestiegen sind dagegen die Erkrankungsraten beim Bauchspeicheldrüsenkrebs und bei bösartigen Lebertumoren. Da sich die Behandlungsergebnisse in den vergangenen Jahrzehnten nicht entscheidend verbessert haben, führen die meisten dieser Erkrankungen zum Tode. Fünf Jahre nach der Einführung des Hautkrebs-Screenings gibt es beim Malignen Melanom, dem gefährlichsten Hautkrebs, zwar einen Anstieg der frühen Stadien. Ein Rückgang der fortgeschrittenen Tumore ist bislang aber nicht erkennbar.

“Positiver Effekt” bei Brustkrebsfrüherkennung

Bei der Brustkrebsfrüherkennung sieht der Bericht einen ersten Hinweis “für einen positiven Effekt”: Demnach ist die Rate der entdeckten fortgeschrittenen Tumore bei älteren Frauen heute niedriger als noch vor einigen Jahren. Die Mammografie ist allerdings umstritten – Kritikern zufolge wird bei einem Teil der Frauen Brustkrebs diagnostiziert, der ohne Früherkennungsuntersuchung nie behandlungsbedürftig geworden wäre.

Krebserkrankungen sind vermeidbar

Mindestens 30 Prozent aller Krebserkrankungen gelten weltweit als vermeidbar, vor allem durch den Verzicht auf das Rauchen, die Vermeidung von starkem Übergewicht durch eine dem Bedarf angepasste Ernährung, ausreichende regelmäßige Bewegung, keinen oder höchstens maßvollen Alkoholkonsum sowie die Vorbeugung von HPV-Infektionen und Hepatitis-B durch Schutzimpfungen. Daher werden mit dem Präventionsgesetz, das im letzten Jahr in Kraft getreten ist, Prävention und Gesundheitsförderung mit unterschiedlichen Maßnahmen gestärkt.

Der „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland“ gibt erstmals eine Übersicht zu allen wichtigen Aspekten des Krankheitsgeschehens in Deutschland sowie den Fortschritten bei der Bekämpfung. Er zeigt auf, welche Entwicklungen zu erwarten sind. Der vom Robert Koch-Institut erstellte Bericht wird zukünftig alle fünf Jahre erscheinen.

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Frank Fischer
Redakteur