Telemedizin: Weichenstellung in Baden-Württemberg

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat heute den Startschuss zur Bewerbungsphase für Telemedizin-Modellprojekte gegeben. Ärztliche Fernbehandlungen und Telemedizin findet bereits deutschlandweit statt, jedoch ausschließlich bei “Bestandspatienten”. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg ist davon überzeugt mit ihrer Neuregelung einen Paradigmenwechsel in der ärztlichen Behandlung in Deutschland einzuläuten. “In anderen Ländern ist das längst Versorgungsrealität. Wir reagieren nicht zuletzt auf die große Nachfrage nach derartigen innovativen Lösungen aus den Reihen unserer Mitglieder. Und auch bei Patienten, in der Politik, bei den Krankenkassen und in der Industrie ist das Interesse an unserem Vorstoß riesig”, sagt Kammerpräsident Dr. Ulrich Clever.

Bild: Arzt mit Smartphone Telemedizin

Ist Telemedizin die Zukunft? © nito / Fotolia

So funktioniert Telemedizin

Als eines von zahlreichen denkbaren Modellen schwebt den Ärztevertretern vor, dass baden-württembergische Ärztinnen und Ärzte von Patienten angerufen werden. Nach telefonischer Erfragung von medizinisch relevanten Informationen und Befunderhebung stellen sie eine Diagnose, führen eine individuelle Beratung durch und leiten die Therapie ein, nötigenfalls auch mit Arzneimittel-Rezeptierung und Krankschreibung. Zu dem Telefonat gehört laut Angaben der Kammer auch die Aufklärung des Patienten über die besonderen Rahmenbedingen der ausschließlichen Fernbehandlung. Dazu  Dr. Clever: “Erstmals in Deutschland gestatten wir, dass ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden. In einer Erprobungsphase wird dies im Rahmen von Modellprojekten geschehen. Hierfür nehmen wir ab sofort Bewerbungen entgegen.”

“Datenschutz und Qualitätssicherung haben höchste Priorität.”

Inzwischen hat die Führung der Landesärztekammer einen umfangreichen Kriterienkatalog erarbeitet, nach dem potenzielle Bewerbungen beurteilt werden sollen. Diese Verfahrensregelungen wurden am vergangenen Wochenende einstimmig beschlossen. Betont wird, dass der medizinische Standard auch bei Telemedizin einzuhalten ist. Im Hinblick auf die Patientensicherheit müsse der Arzt die krankheits- und patientenbezogenen Umstände in die Entscheidung über Art und Umfang der Fernbehandlung einbeziehen, so Dr. Clever.  “Auch der Datenschutz und die Qualitätssicherung haben für uns höchste Priorität.”

Änderung der Berufsordnung für die Telemedizin

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg den  bundesweit einmaligen Grundsatzbeschluss beschlossen und die ärztliche Berufsordnung geändert. Die Berufsordnung in Baden-Württemberg gestattet seither Modellversuche zur Fernbehandlung (die zuvor von der Landesärztekammer genehmigt und während der Laufzeit evaluiert werden müssen).

Ähnliche Beiträge
Bei erfolgreichem Modell: Online-Sprechstunden bald in ganz Deutschland Anfahrtswege und lange Wartezeiten beim Arzt dürften bald passé sein. Hat das geplante Fernbehandlungs-Modell in Baden-Württemberg Erfolg, werden sich...
Krankenkasse fordert Online-Sprechstunde in NRW Nach Baden-Württemberg wird jetzt auch in Nordrhein-Westfalen über eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots sinniert. Die Techniker-Krankenkasse drän...
Arzneimittelgesetz blockiert Online-Sprechstunden Die Landesärztekammer Baden-Württemberg fordert eine Ausnahme-Regelung für das Arzneimittelgesetz. Werde die Verordnung wie geplant umgesetzt, hebele ...
Felix Gimm on EmailFelix Gimm on FacebookFelix Gimm on Twitter
Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.