Tag des Patienten: höchste Zeit für Aufklärung

Mit dem deutschlandweit ersten Tag des Patienten am 26. Januar haben Kliniken ein positives Signal für Patientenrechte gesetzt: Zahlreiche Krankenhäuser beteiligten sich mit Vorträgen, Infoständen und eigens für diesen Tag geschalteten Service-Hotlines. Damit machten sie auf die Rechte der Patienten sowie auf die Arbeit der Patientenfürsprecher in Krankenhäusern aufmerksam – höchste Zeit, finden Patientenfürsprecher und Beschwerdemanager.

Patientenfürsprecher Detlef Schliffke vermittelt zwischen Arzt und Patient. Foto: visioness

Patientenfürsprecher Detlef Schliffke im Krisengespräch mit einem Angehörigen. © Katholisches Klinikum Essen

„Der Tag des Patienten hat dazu beigetragen, das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Krankenhaus zu verbessern“, ist sich Oliver Gondolatsch, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Beschwerdemanagement für Gesundheitseinrichtungen e.V. (BBfG), sicher. Insgesamt 15 Kliniken, u.a. das Klinikum Stuttgart, das Klinikum Nürnberg, das Wichernkrankenhaus in Berlin, das Katholische Klinikum Essen und das Ortenau Klinikum, haben sich am Tag des Patienten beteiligt. Initiiert wurde die Veranstaltung vom BBfG sowie dem Bundesverband Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e.V. (BPiK).

Am Katholischen Klinikum Essen hielt Detlef Schliffke, BPiK-Vorsitzender und zugleich Patientenfürsprecher des Katholischen Klinikums Essen, einen Vortrag über Patientenrechte, Anlaufstellen bei Problemfällen und die Rolle der Patientenfürsprecher. In der anschließenden Fragerunde stand er gemeinsam mit Ärzten und Mitarbeitern des Katholischen Klinikums Essen den rund 50 Besuchern Rede und Antwort. “Viele Patienten haben sich über Ihre Rechte aufklären lassen und Ihre eigenen Problemfälle angebracht. Ein Fall entwickelte sich sogar zu einem ganz konkreten individuellen Beschwerdefall bzgl. seiner Behandlung bei uns im Hause, dem wir jetzt nachgehen”, resümiert Beschwerdemanager Oliver Gondolatsch.

Für das Klinikum Nürnberg war der Tag des Patienten “eine Steilvorlage”. “Wir haben vor rund 40 Jahren die erste Patientenvertretung eingesetzt”, sagt Klinik-Sprecher Bernd Siegler nicht ohne Stolz. Außerdem habe es am 25. Januar einen Personalwechsel gegeben: Gerlinde Mathes übernahm als neue Patientenfürsprecherin die Dienste der 64-jährigen Rita Heider, die 22 Jahre ein offenes Ohr für Patienten hatte – ehrenamtlich versteht sich. Alle drei Ereignisse nahm das Klinikum Nürnberg zum Anlass, in einer Pressekonferenz auf die Themen Patientenvertretung und Beschwerdemanagement aufmerksam zu machen – mit Erfolg.

Mit einem Stand im Foyer des Katharinenhospitals klärte Matthias Bäuerlein, Beschwerdemanager am Klinikum Stuttgart, über die Rechte von Patienten auf und stellte das Beschwerdemanagement vor. “Auf die Frage nach den eigenen Rechten der Patienten kam nichts”, stellte er erstaunt fest, “darüber weiß keiner Bescheid. Insofern hat der Tag des Patienten schon seinen Sinn”. Bäuerlein bedauert jedoch, dass kaum jemand von sich aus auf ihn zukam. “Die  meisten musste ich ansprechen, viele haben sich davon belästigt gefühlt”, sagte er. “Wenn wir mehr ins Gespräch kommen wollen, müssen wir den Tag des Patienten attraktiver, plakativer machen.” Sein Vorschlag wäre zum Beispiel ein Zusatz zum Slogan “Tag des Patienten” wie: “Ihre Rechte. Ihre Meinung”. Wichtig sei für ihn aber, “dass der Stein erst mal ins Rollen gekommen ist”.

Seit 2013 sind Krankenhäuser bundesweit verpflichtet, Patientenfürsprecher oder andere unabhängige Beschwerdestellen für Patienten einzurichten. Wenn der Rat eines Patientenfürsprechers erbeten wird, geht es vor allem um die Vermittlung bei Konflikten, Unstimmigkeiten und Missverständnissen. „Aufmerksam zuhören, und dem Patienten oder Angehörigen ein ganzheitliches Verständnis seiner Situation entgegenbringen, ist das A und O“, so Detlef Schliffke über die Position des Patientenfürsprechers, die mit dem Tag des Patienten ebenfalls gestärkt werden soll. „Viele Patienten kennen ihre Rechte nicht. Mit dem Tag des Patienten geben wir ihnen eine Stimme, die gehört wird“, meint der BPiK-Vorsitzende.

Der Tag des Patienten findet jedes Jahr am 26. Januar statt. „Wir freuen uns, dass wir mit so großer Aufmerksamkeit gestartet sind“, resümiert Oliver Gondolatsch und ergänzt: „Für das nächste Jahr hoffen wir auf noch mehr teilnehmende Krankenhäuser. Von einigen haben wir bereits die Zusagen“.

Weitere Informationen unter http://www.bpik.de.

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Frank Fischer
Redakteur