Neues Gesetz soll seelisch Kranke besser versorgen – DKG fürchtet Bürokratiemonster

Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines „Gesetzes zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen“ (PsychVVG) beschlossen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bemängelt unter anderem die noch nicht gesicherte Finanzierung des Personals. „Seelisch kranke Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass sie die Hilfe erhalten, die sie benötigen“, kommentiert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe den im Bundeskabinett beschlossenen Entwurf. Deshalb seien die vorgesehenen Regelungen gezielt auf die Bedürfnisse psychisch kranker Menschen und die Erfordernisse ihrer Behandlung zugeschnitten. Beispielsweise soll durch „besondere Behandlungsteams im häuslichen Umfeld“ ermöglicht werden, „dass Menschen mit seelischen Leiden und stationärer Behandlungsbedürftigkeit in akuten Krankheitsphasen noch besser versorgt werden“.

Bild: Laut dem Bundesminsiterium für Gesundheit leidet fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung.

Laut dem Bundesminsiterium für Gesundheit leidet fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung.

Immer mehr psychische Erkrankungen
In den vergangenen Jahren hat die Inanspruchnahme von psychiatrischen und psychotherapeutischen Leistungen stetig zugenommen. Während psychische Erkrankungen vor 20 Jahren noch nahezu bedeutungslos waren, sind sie heute die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen, heißt es auf der Website des Projekts „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA)“. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit ist fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens betroffen. Die Fehltage Berufstätiger wegen psychischer Erkrankungen sind demnach in den vergangenen elf Jahren um mehr als 97 Prozent gestiegen. Laut einer aktuellen DAK-Studie machten sie im ersten Halbjahr dieses Jahres 16 Prozent aller Krankschreibungen aus. Die Krankheitsdauer lag im Durchschnitt bei 35 Tagen. Damit fallen Berufstätige wegen psychischer Leiden länger aus als wegen Krebserkrankungen (32 Tage).

Neue Herausforderungen für das Versorgungssystem bewältigen
„Das bringt neue Herausforderungen für das Versorgungssystem mit sich“, heißt es auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums. Durch das neue Gesetz sollen die Finanzierung der Behandlung und insbesondere des Personals gesichert werden. Unter anderem ist vorgesehen, dass Behandlungen mit hohem Aufwand künftig besser vergütet werden als Behandlungen mit weniger hohem Aufwand. „Zudem stärken wir mit Mindestpersonalvorgaben eine gute Versorgung und die menschliche Zuwendung“, sagt Gröhe.

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) geht der Gesetzentwurf grundsätzlich in die richtige Richtung. Positiv bewertet die DKG in einer Pressemitteilung unter anderem, dass die im ursprünglichen Referentenentwurf vorgesehenen Nachweise über Stellenbesetzungen nach der alten Psychiatrie-Personalverordnung gegenüber den Kassen nicht weiter verfolgt werden. „Wir begrüßen dies ausdrücklich, denn diese Stellen wurden und werden den Krankenhäusern nie voll ausfinanziert“, betont Thomas Reumann, Präsident der DKG.

Kritik an der Finanzierung
Ein großes Problem sieht er allerdings in der noch nicht gesicherten Ausfinanzierung des Personals: „Grundsätzlich wird sich die Reform der Finanzierung der psychiatrischen Leistungen daran messen lassen müssen, ob die Personalfinanzierung gesichert werden kann“. Reumann gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, „dass die psychiatrischen und psychosomatischen Patienten besonders intensive persönliche medizinische und pflegerische Zuwendung benötigen“. Außerdem bemängelt er den durch den Gesetzentwurf vorgesehenen steigenden Aufwand im Bereich Bürokratie. „Gegen die Bürokratieausweitung und für die Ausfinanzierung des Personalbedarfs werden die Krankenhäuser mit aller Kraft im weiteren parlamentarischen Verfahren kämpfen“, kündigt der DKG-Präsident an.

 

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Michelle Sprinz
Volontärin
Jahrgang 1993, geboren in Leimen. Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim sowie der University of Miami.