“Patientensicherheit kann man lernen”

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) hat Mitte April auf seinem Jahreskongress zu einer Agenda-Änderung der Ausbildungen und Studiengänge im Gesundheitswesen aufgefordert. Laut einer aktuellen Recherche des Bündnisses ist das Thema Patientensicherheit bisher nicht systematisch in die Ausbildung von Gesundheitsberufen integriert. Dafür hagelt es von der APS-Vorsitzenden Hedwig François-Kettner harsche Kritik.

Abbildung Arzt. Foto: pixabay.com © DarkoStojanovic

Laut APS weisen lediglich zwei von dreizehn Ausbildungskatalogen im Gesundheitsbereich umfassende Lernziele bezüglich der Patientensicherheit auf. © DarkoStojanovic/pixabay.com

„Es ist für Patientensicherheit entscheidend, dass sie in der medizinischen und pflegerischen Laufbahn von Anfang an im Fokus steht – und dass auch die entsprechenden Kenntnisse im Lernzielkatalog stehen“, erklärt Hedwig François-Kettner. Um das zu untermauern, stellte sie ihren Jahreskongress unter das Motto: „Patientensicherheit kann man lernen – Wie kommt das Wissen in die Praxis“. Thematisiert wurden verschiedene Fragen bezüglich des Risikomanagements im Gesundheitswesen.

Grund zur Kritik gab eine vom Bündnis selbst durchgeführte Untersuchung der Ausbildungsordnungen und Studienpläne von dreizehn verschiedenen Gesundheitsfachberufen. Hierbei wurden „reichlich wenig“ Inhalte in Hinblick auf die Vermittlung von Patientensicherheit festgestellt. Lediglich zwei von dreizehn geprüften Ausbildungskatalogen weisen entsprechende Vorgaben auf. Dabei sei eine Verbesserung der Sicherheitskultur am ehesten möglich, wenn bei der Ausbildung angesetzt würde. „Wichtig ist, dass das Thema von Anfang an gelernt wird von den Studenten und Auszubildenden. Alles, was hinterher kommt, wird nicht so wichtig genommen“, befürchtet François-Kettner.

Insbesondere in den Studiengängen zur Zahnmedizin und der Ausbildung zum Physiotherapeuten gebe es keine einzige Vorgabe zur Vermittlung von entsprechenden Kompetenzen. Aber auch die Richtlinien anderer Gesundheitsberufe seien „stark defizitär“, merkte François-Kettner an. Aspekte wie beispielsweise Hygiene, Kommunikation und Arbeitsorganisation würden fast nie in ausreichendem Maße berücksichtigt. Auch im Bereich der Ärzte-Ausbildung wurden insbesondere Mängel in der Vermittlung von Kommunikation und Interaktion, Arbeitsabläufen und Organisation festgestellt.

Dabei hatte die innerhalb des APS bestehende Arbeitsgruppe „Bildung und Training“ im Jahr 2013 einen Lernzielkatalog erarbeitet, der allen medizinischen Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt wurde. Dieser sei aber bei weitem nicht flächendeckend angewendet worden, bedauert die Vorsitzende des APS. Wie wichtig es sei, die Patientensicherheit in Ausbildungs- und Studiums-Vorgaben aufzunehmen, zeige das Thema Hygiene, das erst spät bei Ärzten und Pflegern mit aufgenommen worden sei. Die späte Berücksichtigung könne als ein Grund für die hohen Infektionsraten und sonstigen Probleme gesehen werden, „die wir in diesem Bereich haben“.

François-Kettner sieht vor allem in der geplanten Generalistik und der damit verbundenen Änderung der Ausbildungsleitlinien in Pflegeberufen eine Chance, Patientensicherheit stärker in diesem Bereich zu verankern. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Änderung der Approbationsordnung. „Unser erklärtes Ziel ist eine hoch entwickelte Sicherheitskultur im Gesundheitssystem“, sagt die APS-Vorsitzende. Es sei essenziell, „unerwünschte Ereignisse“ durch eine fundierte Ausbildung zu vermeiden, statt im Nachhinein auf Fehler zu reagieren. Immerhin in zwei Ausbildungsordnungen, der zum anästhesie- und zum operationstechnischen Assistenten, sei bereits ein umfangreicher Katalog von Kompetenzen zur Patientensicherheit festgeschrieben.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS)

Das APS stellt eine Plattform zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland dar und wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Zusammengeschlossen haben sich die Vertreter der Gesundheitsberufe, ihrer Verbände, der Patientenorganisationen, aus Industrie und Wirtschaft sowie weitere Interessierte im April 2005. Der gemeinnützige Verein setzt sich für eine sichere Gesundheitsversorgung ein und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung geeigneter Methoden zur Verbesserung der Patientensicherheit. Diese ist inzwischen zu einem zentralen Qualitätsmerkmal der Versorgung geworden.

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Michelle Sprinz
Volontärin
Jahrgang 1993, geboren in Leimen. Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim sowie der University of Miami.