Organspenden auf dem Tiefpunkt

Während 10.000 Schwerstkranke auf ein Spenderorgan warten, werden in Deutschland weniger Organe gespendet als in anderen europäischen Ländern. 2016 erreichte die Zahl der Organspenden ihren Tiefpunkt – mit 857 post-mortalen Spenden. Dabei wären die meisten Menschen dazu bereit. Zum bundesweiten Tag der Organspende am 3. Juni wird auf das Thema aufmerksam gemacht. Die zentrale Veranstaltung ist in Erfurt geplant.

Bild: In Deutschland gilt seit 2012 die sogenannte Entscheidungslösung. Jeder über 16 Jahre wird von seiner Krankenkasse aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. © BZgA

In Deutschland gilt seit 2012 für Organspenden die sogenannte Entscheidungslösung. Jeder über 16 Jahre wird von seiner Krankenkasse aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. © BZgA

Wie der medizinische Vorstand der Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel, mitteilte, hat sich die Zahl der Organspenden noch nicht von den Transplantationsskandalen 2012 erholt. 2010 gab es noch 1200 Spender, also rund 300 mehr als 2016. Dabei belegt eine bisher unveröffentlichte Befragung der Barmer Krankenkasse, dass mehr als 80 Prozent der Bevölkerung zur Organspende bereit wären. Durchschnittlich drei Patienten, die auf der Warteliste stehen, sterben pro Tag, weil es an ausreichenden und passenden Spenden fehlt.

Hürden in der Klinikorganisation

In Deutschland gilt seit 2012 die sogenannte Entscheidungslösung. Jeder über 16 Jahre wird von seiner Krankenkasse aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. Das Einverständnis zur Organspende muss schriftlich erfolgen, sonst scheidet man als Spender und Lebensretter aus. In anderen europäischen Ländern ist es umgekehrt: Dort muss einer Organspende aktiv widersprochen werden, sonst ist man automatisch Spender. Diese Handhabung konnte sich aber bisher in der Bundesrepublik nicht durchsetzen.

Hans Lilie, bei der Bundesärztekammer Experte für Organtransplantationen, sieht den Grund für die niedrigen Organspende-Zahlen in Deutschland nicht nur in der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung. Die Organisation der Kliniken müsse aktiver auf ihre gesetzliche Verpflichtung ausgerichtet werden, Organspenden zu ermöglichen. Transplantationsbeauftragte müssten die die Anreize erhöhen, spendebereiten Patienten nach ihrem Tod Organe auch tatsächlich zu entnehmen, um den Engpass zu beseitigen.

Tag der Organspende

Seit 35 Jahren machen Patientenverbände und weitere Institutionen immer am ersten Samstag im Juni bundesweit auf das Thema Organspende aufmerksam.  Möglichst viele Menschen sollen informiert und zu einer Entscheidung motiviert werden. Der Tag der Organspende will beides: danken und aufklären. Mit Vorurteilen aufräumen und ganz unmittelbar zeigen, welches Glück ein kleines Kreuz im Organspende Ausweis bewirken kann.

Traditionell wird der Tag der Organspende vormittags mit einem ökumenischen Dankgottesdienst begonnen. Im Anschluss werden um ca. 12 Uhr das Bühnenprogramm und die Infozelte auf dem Domplatz in Erfurt offiziell eröffnet. Neben zahlreichen Musikdarbietungen und Gesprächsrunden auf der Bühne, wird den Besuchern in den Infozelten die Möglichkeit für persönliche Gespräche gegeben. Zahlreiche Aktionen für Erwachsene und Kinder laden zum Mitmachen und Erleben ein.

Infotelefon zum Tag der Organspende

Für alle, die noch Fragen zur Organspende haben, ist am Tag der Organspende ein Infotelefon eingerichtet. Von 9 Uhr bis 14 Uhr können sich Anrufer über die gebührenfreie Rufnummer ist 0800 90 40 400 individuelle Antworten einholen.

 

 

 

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Lorenz Seitz
Praktikant
Jahrgang 1979, geboren in Ulm.