Nur drei Bundesländer erfüllen Vorgaben für Krebsregister

Krebsregister auf der Kippe: Der Spitzenverband der Krankenkassen sieht das Ziel der Bundesregierung gefährdet, bis Ende 2017 in allen Bundesländern klinische Krebsregister einzurichten. Nur drei von 16 Bundesländern hätten die nötigen Weichen dafür gestellt, ergab ein Gutachten im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes.

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes

„Der dafür bereits vor drei Jahren begonnene Auf- und Umbau entsprechender regionaler Strukturen kommt nur schleppend voran“, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. Neben fehlenden Landesgesetzen und noch nicht arbeitsfähigen Einrichtungen in einigen Bundesländern liste das Gutachten vor allem Probleme bei der Datenerfassung, Datenverarbeitung und der länderübergreifenden Datenvernetzung der Register auf.

Das Ziel, bis Ende 2017 arbeitsfähige Register mit entsprechenden Instrumenten und Verfahren zur Datennutzung zu haben, scheint demnach nur in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland realisierbar. In Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wird das planmäßige Erreichen des Ziels als gefährdet eingestuft. Kritisch sehen die Gutachter auch die Situation in den übrigen acht Bundesländern.

Die klinischen Krebsregister erfassen unter anderem die Krankheitsverläufe der Patienten. Registriert werden Daten von der Diagnose über einzelne Behandlungsschritte und die Nachsorge bis hin zu Rückfällen sowie Todesfällen. Ziel ist es, auf Basis der Ergebnisse die Versorgung und Behandlung krebskranker Menschen zu verbessern.

„Noch ist es für alle Bundesländer und Register nicht zu spät, die Vorgaben des Gesetzes zeitgerecht zu erfüllen, aber die im Gutachten aufgezeigten Baustellen müssen nun schnell und konsequent angegangen werden“, fordert Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes.

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Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung