Allianz will Gesundheitskompetenz der Deutschen stärken

Deutschland ist mittelmäßig, wenn es um Gesundheitskompetenz geht. Das geht aus einer Studie der Universität Bielefeld hervor. Demnach ist mehr als die Hälfte aller Deutschen nicht ausreichend über Gesundheitsthemen informiert. Um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken, haben die Akteure im Gesundheitswesen in Berlin unter Federführung vom Bundesgesundheitsministerium die „Allianz für Gesundheitskompetenz“ ins Leben gerufen.

Die Partner der Allianz für Gesundheitskompetenz in Berlin am 19. Juni 2017 ©BMG/Michael Schinkel

Die Partner der Allianz für Gesundheitskompetenz in Berlin am 19. Juni 2017 ©BMG/Michael Schinkel

Gemeinsamer Kraftakt für mehr Gesundheitswissen

„Nur wer gut informiert ist, kann Gesundheitsrisiken vermeiden und im Krankheitsfall durch eigenes Verhalten zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen“, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. In der Gründung der Allianz sieht er den Startschuss für die Stärkung des Gesundheitswissens in Deutschland und spricht von einem Kraftakt aller Beteiligter. Von der Bundesärztekammer über die Deutsche Krankenhausgesellschaft bis zur Verbraucherzentrale sind 14 Akteure zusammengekommen, um in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswissens zu entwickeln. Die Kommunikation in der Aus-, Weiter- und Fortbildung soll gefördert und die allgemeine Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt werden.

Grundlage der Verhandlungen war eine Untersuchung, die Teil des Projekts „Die Nutzerorientierung in der Patientenberatung evidenzbasiert erhöhen: Entwicklung eines Material- und Methodenkoffers“ war, gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Demnach verfügen 54,3 Prozent der Deutschen über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Im Rahmen europäischer Studien zum Thema Gesundheitskompetenz zeigten sich große Unterschiede zwischen den Ländern. Deutschland belegte nur einen Mittelfeldplatz. Am besten schnitten die Niederlande ab. Die Bielefelder Studie zeigt in der Bundesrepublik, analog zu dem Bild in anderen europäischen Ländern, auch soziale Unterschiede auf: Insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit geringem Bildungsstatus und Migranten weisen Defizite in der Gesundheitskompetenz auf.

Frühe Kompetenzvermittlung in Sachen Gesundheit

Kompetenzvermittlung muss laut dem Gesundheitsminister früh ansetzen. Deshalb verspricht die Allianz, Gesundheit zu einem Bestandteil der Bildungs- und Lehrpläne von Kindertagesstätten, allgemeinbildenden Schulen sowie Weiter- und Fortbildungseinrichtungen zu machen. Ob projektbezogener Unterricht, eigene Unterrichtseinheiten oder ein Schulfach „Gesundheit“ – die Kultusministerkonferenz sei gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch im Erwachsenenalter möchte Gröhe die Gesundheitskompetenz fördern. Das Bundesgesundheitsministerium gab deshalb ein Konzept für ein Nationales Gesundheitsportal beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in Auftrag.

Mündiger Patient

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Gründung der Allianz für Gesundheitskompetenz als einen „ganz wichtigen Schritt, die Bevölkerung zu informieren, damit jeder selbst aktiv seinen Teil zur eigenen Gesundheitserhaltung beitragen kann. Für die Krankenhäuser ist dies schon lang ein vorrangiges Ziel. Informationen auf Augenhöhe in verständlicher Sprache sind Grundlage, um die Patienten in eine eigenverantwortlichere und entscheidungsfähige Situation zu versetzen“, so DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Das jeder selbst aktiv seinen Teil zur eigenen Gesundheitserhaltung beitragen, kann zahlt sich laut Bundesgesundheitsministerium nicht nur für den Einzelnen aus und bezieht sich auf Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO geht davon aus, dass 3-5 Prozent der Gesundheitsausgaben durch Lücken in der Gesundheitskompetenz verursacht werden. Auf Deutschland umgesetzt wären das zwischen 9 und 15 Milliarden Euro. Das zeigt wie wichtig eine Förderung der Gesundheitskompetenz hierzulande ist und eine gesamtgesellschaftliche Strategie dazu.

 

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Lorenz Seitz
Praktikant
Jahrgang 1979, geboren in Ulm.