„Hepatitis eliminieren!“: Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2017

Die Dunkelziffer bei Hepatitis C gibt Anlass zur Sorge: „Aktuelle Schätzungen gehen von ca. 270.000 Hepatitis-C-Infizierten aus, von denen etwa 160.000 diagnostiziert wurden“, sagt Ingo van Thiel von der Deutschen Leberhilfe e.V., die bundesweit den Welt-Hepatitis-Tag ausrichtet. Das Ziel der WHO, die diesen Gesundheitstag 2011 eingeführt hat, ist es bis 2030 weltweit Hepatitis B einzudämmen und Hepatitis C zu eliminieren. Nach Angaben der WHO leben gibt es weltweit 257 Menschen mit chronischer Hepatitis B und 71 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis C.

Bild: Im Rahmen des Modellprojektes sollen Ärzte und Patienten für das Thema Antibiotika-Resistenzen sensibilisiert werden. © frender / Fotolia

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Ziel rückt dank „medizinischer Revolution“ in greifbare Nähe

Auch die deutsche Bundesregierung hat mit ihrer Strategie „BIS-2030 – Bedarfsorientiert, Integriert, Sektorenübergreifend“ 2016 sich dem Ziel angeschlossen. Dabei nimmt sie nicht nur den Kampf gegen Hepatitis B und C auf. Auch HIV und andere Infektionskrankheiten sollen erfolgreich bekämpft werden. Ein echter Durchbruch in der medizinischen Forschung zeichnet sich seit einiger Zeit in der Therapie der Hepatitis C ab. Dank neuer antiviraler Arzneimittel wird diese Infektionskrankheit jetzt gut therapierbar und fast jeder Patient hat heute eine Chance auf vollständige Heilung. Das geht aus einem Artikel der Europäischen Gesellschaft für die Erforschung der Leber (EASL) hervor. Um das Ziel zu erreichen, erklärt van Thiel, müssen muss die Gesundheitspolitik weltweit zusammenarbeiten und formulierte Ziele auf konsequent verfolgen. Es geht um frühe Diagnose, konsequente Schutzimpfung und breiter Therapiezugang weltweit. Die große Gefahr, die alle Hepatitis-Viren gemeinsam haben, ist, dass eine Infektion oft unbemerkt bleibt. Zum einen ist der Betroffene dann Überträger und zum anderen kann eine Infektion chronisch werden und die Leber angreifen

 

Hepatitis kleine Viren- große Gefahren!

Eine Leberentzündung (Hepatitis) ist in den meisten Fällen auf die Viren Hepatitis A, B, C, D und E zurückzuführen. Nicht-virale Lebererkrankungen können durch Medikamente, Giftstoffe, Alkohol, Übergewicht oder Autoimmunerkrankungen entstehen und sind aber im Gegenteil zu den viralen Infekten nie ansteckend.
Bei jeder Hepatitis werden Leberzellen zerstört. Wenn Hepatitis chronisch wird, können sich Narben bilden (Leberfibrose). Sobald die Leber vollständig vernarbt ist (Leberzirrhose), sind lebenswichtige Aufgaben der Leber gestört und es kann sich auch ein Leberkrebs entwickeln. Kurze, prägnante Informationen zu den Hepatitis Viren bietet die Deutsche Leberhilfe auf Ihrer Webseite zum Welt-Hepatitis-Tag.

Vor 30 Jahren gründete sich die Deutsche Leberhilfe e.V.. Die Patientenorganisation wird von einem wissenschaftlichen Beirat aus Fachärzten und Wissenschaftlern in medizinischen Fragen unterstützt. Der gemeinnützige Verein bietet Hilfe zur Selbsthilfe durch Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen und durch Informationsmaterial, das verständlich aufbereitet über Hepatitis aufklärt. Außerdem sollen mögliche Ursachen, Verlauf, Behandlung und Prävention von Leberkrankheiten der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Das soll auch Vorurteile entkräften und den schlechten Ruf von Lebererkrankungen verbessern. Weit verbreitet ist immer noch der Makel der „selbstverschuldeten“ Krankheit. Der Welt-Hepatitis-Tag wird in Deutschland von der Leberhilfe ausgerichtet.

 

Bei Risikofaktoren testen lassen

Ein Grund warum Hepatitis-Infektionen oft lange Jahre unbemerkt bleiben sind die unspezifischen Symptome wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Nicht jeder entwickelt den sogenannten Ikterus (eine Gelbfärbung der Haut bzw. der Augen), was ein bekanntes Symptom für Hepatitis ist. Und auch Leberwerte sind nicht immer auffällig. Darum ist es wichtig sein Risiko für eine Virushepatitis zu kennen und sich gegebenenfalls untersuchen zu lassen. Auf der Webseite lebertest.de der Leberhilfe kann sich jeder in wenigen Minuten anonym errechnen lassen, ob ein Risiko vorliegt. Bei erhöhten Leberwerten (vor allem die GPT) oder Risikofaktoren sollte man sich auf Hepatitis untersuchen lassen.
Van Thiel von der Leberhilfe Deutschland fasst zusammen: „Lassen Sie sich gegen Hepatitis A und B impfen. Wenn Sie erhöhte Leberwerte haben oder in der Vergangenheit ein Ansteckungsrisiko hatten, lassen Sie sich auf Hepatitis B und C testen. Chronische Hepatitis B ist kontrollierbar, Hepatitis C ist heute fast immer heilbar.“

 

 

 

 

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Lorenz Seitz
Praktikant
Jahrgang 1979, geboren in Ulm.