“Gesundes Kinzigtal” bietet optimale Versorgung im ländlichen Raum

Die Negativschlagzeilen zur mangelhaften medizinischen Gesundheitsversorgung in vielen ländlichen Regionen Deutschlands sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Dass patientenorientierte Gesundheitsversorgung und Wirtschaftlichkeit durchaus vereinbar sind, zeigt eine Region im Süden der Republik: das Kinzigtal im Schwarzwald. Hier arbeiten Krankenkassen, Ärzte und Therapeuten sowie Patienten seit rund 10 Jahren im Netzwerk „Gesundes Kinzigtal“ zusammen.

Bild: Blick auf Hausach: Hier sind Gesundheitsversorgung und Wirtschaftlichkeit vereint. © Gesundes Kinzigtal

Blick auf Hausach: Hier sind patientenorientierte Gesundheitsversorgung und Wirtschaftlichkeit vereint. © Gesundes Kinzigtal

2006 ist das Unternehmen  vom Medizinischen Qualitätsnetz Kinzigtal und der Managementgesellschaft OptiMedis gegründet worden. Unterstützung kommt von der AOK Baden-Württemberg und LKK Baden-Württemberg. Drei gleichberechtigte Ziele kennzeichnen das Unternehmen: Zum einen soll die Gesundheit der Bevölkerung unterstützt und gestärkt, zum anderen das Wissen um eine gesunde Lebensgestaltung verbreitet und die Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung gesichert werden. Ein erster Schritt zum Erreichen dieser Ziele-Trias war die Schaffung einer Integrierten Versorgung nach Paragraf 140a ff. Sozialgesetzbuch V.

Patientenorientierte Gesundheitsversorgung

Im Verlauf der vergangenen rund zehn Jahre wurden eigene Gesundheits- und Versorgungsangebote sowie Behandlungsleitlinien geschaffen, umgesetzt und regelmäßig weiterentwickelt. Dabei wirken medizinische und therapeutische Partner sowie der frei gewählte Patientenbeirat mit. Das reicht von der Patientenbegleitung und dem Coaching bei komplexen sozialen und medizinischen Problemstellungen über die Nutzung von Zielvereinbarungen zwischen Patienten und Ärzten bis hin zur Raucherentwöhnung und der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes.

Die Region profitiert

Fast 10.000 Menschen im Kinzigtal profitieren von den sektorenübergreifenden Angeboten der Integrierten Versorgung. Eine jährliche Mitgliederversammlung, der fünfköpfige Patientenbeirat, die Ombudsfrau sowie der Jugendbeirat geben ihnen zudem die Gelegenheit, die Entwicklung der Gesundheitsversorgung nicht nur zu verfolgen, sondern auch mitzugestalten. Herzstück der Integrierten Versorgung ist die Vernetzung von Haus-, Fach- und Klinikärzten, Psycho- und Physiotherapeuten sowie der Pflege. Dazu gehört unter anderen die zentrale Patientenakte (ZPA), die den digitalen Informationsaustausch zwischen den beteiligten Ärzten erleichtert und beschleunigt. Der Erfolg hat dazu geführt, dass die deutsche Gesundheitspolitik die Arbeit von Gesundes Kinzigtal intensiv verfolgt und andere Länder, beziehungsweise internationale Versicherer den Ansatz übernehmen.

Zukünftige Projekte

Gesundes Kinzigtal bietet mittlerweile ebenfalls Betriebliches Gesundheitsmanagement vor allem für kleine und mittlere Unternehmen an, bildet mit der Gesundheitsakademie Kinzigtal Menschen in der Gesundheits- und Medizinbranche sowie verwandten Berufen weiter und stellt mit der gesund+aktiv: Trainingswelt einen Ort für gezieltes Gesundheitstraining. Medizinische Fachvorträge für die interessierte Öffentlichkeit sowie Kooperationen mit regionalen Vereinen sind weitere Bausteine der Arbeit. Auf der Suche nach weiteren Pfeilern einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung der Zukunft ist Gesundes Kinzigtal Pilotpartner im Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“, um sich als erstes „selbsthilfefreundliches Versorgungsnetz“ zertifizieren zu lassen.

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.