Fluch und Segen der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Gestern fand die 29. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen im Haus der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin statt. Die Vertreter diskutierten die Frage ob Medizin-Apps, Fitnesstracker und vernetzte Datenbanken die Zukunft des Gesundheitswesens oder nur ein Eldorado für Datensammler seien? Auch die Wirkung der Digitalisierung auf die Patientenversorgung und auf die Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe wurde thematisiert.

Bild: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Patientenversorgung aus? © Visioness

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Patientenversorgung aus? © Monet / Fotolia

„Die Digitalisierung wird zu einer stärkeren Vernetzung der Patientenversorgung beitragen. Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und Gesundheitsfachberufe werden leichter und effizienter Informationen austauschen können. Dadurch ergeben sich neue Formen der Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten“, zeigte sich Dr. Max Kaplan, Vize-Präsident der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Fachberufekonferenz, überzeugt. Voraussetzung für den Nutzen der Digitalisierung sei aber, dass sich die neuen technischen Möglichkeiten ohne Reibungsverluste in die Arbeitsabläufe einfügen. Dafür müssten die Mitarbeiter im Gesundheitswesen ihr fachliches Know-how einbringen. In diesem Zusammenhang verwies Kaplan auf den diesjährigen Deutschen Ärztetag in Freiburg, der sich schwerpunktmäßig mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens beschäftigen wird.

Interdisziplinäre Konsequenzen

Unter anderem am Beispiel der logopädischen Behandlung von Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen erläuterte Sascha Sommer von der Hochschule für Gesundheit in Bochum die Konsequenzen der digitalen Neuerungen für Patienten und Versorgungsstrukturen. So wirkt sich der Einsatz neuer Technologien  nicht nur auf die direkte Beziehung zwischen Patienten und Behandelnden aus. Auch für die interdisziplinäre Kooperation zwischen Ärzten und Beschäftigten der Gesundheitsfachberufe ergeben sich neue Anforderungen.

Patienten erwarten Digitalisierung

Die Konferenz widmete sich auch der Frage, welche Kompetenzen die Berufsangehörigen benötigen, um die neuen elektronischen Möglichkeiten optimal anzuwenden, und wie dieses Wissen in der Aus- und Fortbildung möglichst rasch vermittelt werden kann. Nach Überzeugung der Teilnehmer erwarteten die Patienten eine sachkundige Beratung durch Ärzte und Angehörige der Pflege- oder Therapieberufe zum Beispiel zu medizinischen Apps oder zu den Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte. Dabei seien sowohl Fragen der Datensicherheit wie auch der Qualität insbesondere bei den zahlreichen medizinischen Apps zu berücksichtigen.

Wie sicher sind sensible Daten?

In diesem Zusammenhang betonten die Teilnehmer, dass viele Anwendungen im Bereich Lifestyle und Medizin bei Prävention, Diagnostik und Therapie zwar nützlich sein könnten. Sie würden aber auch Risiken im Hinblick auf die Zuverlässigkeit und die Sicherheit der Daten bergen. Die Fachberufekonferenz forderte deshalb die Anbieter von Gesundheits-Apps auf, Nutzer in verständlicher Sprache über die Funktionen der jeweiligen App aufzuklären. Die Transparenz bei der Datenverarbeitung und die Kontrolle der Nutzer über ihre eigenen Daten müssten gewährleistet sein. Die Teilnehmer wiesen zudem auf die Auswirkungen der Digitalisierung gerade bei technischen Gesundheitsberufen hin. So erfordert der Ersatz mechanischer Arbeit durch Informationstechnologie ein deutlich höheres Abstraktionsvermögen als bisher. Anstatt beispielsweise im Labor mechanische Abläufe durchzuführen, erhalten Risiko-, Prozess- und Ausfallmanagement einen immer höheren Stellenwert. Diese Kompetenzen müssen Eingang in die entsprechenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen sowie in die Fortbildung finden.

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.