E-Health: Patienten haben Recht auf Medikationsplan – zum Unmut der Apotheker

Das E-Health-Gesetz sieht einen Medikationsplan für Patienten vor, die drei oder mehr Medikamente einnehmen müssen. Was Patienten und Ärzten helfen soll, könnte sich für Apotheker nachteilig auswirken.

Derzeit verhandeln die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Bundesärztekammer (BÄK) und der Deutsche Apothekerverband über die Einführung eines Medikationsplans. Ab dem ersten Oktober sollen Menschen, denen drei oder mehr Medikamente zur gleichzeitigen Einnahme verordnet wurden, einen solchen Plan erhalten. Während sich KBV-Vorstand Regina Feldmann Unterstützung von Seiten der Apotheker wünscht, befürchtet der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (DVDVA) eine geringe Wertschätzung seiner Schützlinge.

Für die Aktualisierung der Medikationspläne ist bisher keine Vergütung vorgesehen. © ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.

Für die Aktualisierung der Medikationspläne ist bisher keine Vergütung vorgesehen. Foto: © ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.

Die Position der Apotheker
Die Apotheker sehen ihre Rolle innerhalb des Konzeptes kritisch. Die Tatsache, dass sie lediglich zu Änderungen und Ergänzungen befähigt sein und dafür nicht einmal vergütet werden sollen, empfinden sie als problematisch. „Heutzutage wird Wertschätzung ja meistens in Euro gemessen. Die ist dementsprechend gering“, äußert der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken, Christian Buse. Jedoch steht für ihn das Wohl des Patienten im Vordergrund. „Da ist die Frage nach dem Geld auch erst einmal zweitrangig.“

Weiteren Gesprächsbedarf sieht der BVDVA in Hinblick auf die elektronische Umsetzung des Medikationplanes. Neben einer noch zu klärenden Konkretisierung der Datenübermittlung zwischen Arztpraxen und Apotheken fordert Christian Buse, dass ausschließlich Ärzte und Apotheker die Medikationspläne analysieren. „Die Bewertung der Daten ist bislang nicht genügend geklärt. Wir müssen vermeiden, dass Computerprogramme checken, ob Wechselwirkungen zwischen Präparaten bestehen“, fordert er.

Der Medikationsplan – ein ständiger Begleiter
KBV-Vorstand Regina Feldmann wünscht sich indessen „die Unterstützung der Apotheker“ um „ein bisschen Koordinierung“ und mehr Verständnis bei den Patienten zu erreichen. Dies sei vor allem in Hinblick auf die Selbstmedikation wichtig, die ebenso in den Medikationsplan aufgenommen werden müsse, wie vom Arzt verordnete Wirkstoffe. Das Nachtragen wäre Aufgabe der Apotheker. Schwierigkeiten könnten entstehen, da Patienten häufig mehrere Apotheken aufsuchen. Um dem entgegen zu wirken müsse den Patienten klargemacht werden, wie wichtig es sei, den Medikationsplan bei jedem Einkauf in der Apotheke mitzuführen. In der Verantwortung der Ärzte liege es, „die Patienten davon zu überzeugen, die Nachbehandler über die Medikation zu informieren“ und nicht etwa unangenehme Diagnosen zu verschweigen. Hierbei gehe es nicht um Kontrolle, sondern um eine für den Patienten wichtige Überprüfung.

Grundlage: E-Health-Gesetz
Die Einführung des Medikationsplans ist im Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendung im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz) verankert, das der Bundestag Ende 2015 verabschiedet hat. Seine Erstellung sollen vor allem Hausärzte, und nur in zweiter Linie behandelnde Fachärzte übernehmen. Apotheker sind demnach nicht befugt, die entsprechenden Pläne zu erstellen. Lediglich Aktualisierungen dürfen sie auf Wunsch des Patienten durchführen – allerdings ohne dafür vergütet zu werden.

Wie genau der Medikationsplan aussehen soll, steht noch nicht fest. Genaue Vorgaben werden Anfang Mai veröffentlicht. Auch Patientenorganisationen sollen bis dahin die Möglichkeit bekommen, sich zu den Inhalten zu äußern. Bis Ende April 2017 soll geklärt werden, wie die relevanten Informationen auf die elektronische Gesundheitskarte (eGK) übernommen werden können. Der Übertragungsprozess selbst soll zwischen dem ersten Januar 2018 und dem ersten Januar 2019 stattfinden.

Was bringt die Zukunft?
In Hinblick auf die vorerst geplante Papiervariante sei es jetzt an den Softwareunternehmen, die Voraussetzungen für die Einlesung und den Druck der Medikationspläne in den Praxen zu schaffen, sagt Feldmann und zeigt sich in Bezug auf die Umsetzung bis Oktober optimistisch: „Ich sehe da keine Probleme.“ Sie selbst gebe in ihrer Praxis bereits seit 1991 Medikationspläne aus. „Die Quote derer, die ihn beim nächsten Termin auch dabei haben, steigt langsam, aber stetig“, sagt sie. Ihr großes Ziel sei es, die Arzneimitteltherapiesicherheit in den Praxen überprüfbar zu machen und somit Medikationsfehler zu vermeiden.

Immerhin von der Sinnhaftigkeit des Medikationsplanes zeigen sich die Beteiligten unisono überzeugt: „Der Patient, der Arzt und wir Apotheker profitieren davon, dass allen die gleiche, leserliche Information über die Medikation eines Patienten vorliegt“, lobte Christian Buse im Namen aller.

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Michelle Sprinz
Volontärin
Jahrgang 1993, geboren in Leimen. Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim sowie der University of Miami.