Bundesweiter „Aktionstag gegen den Schmerz“: Jeder Dritte hat chronische Schmerzen

Am gestrigen 6. Juni fand der sechste bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz“ statt. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.   (DGSS) will damit auf die „lückenhafte Versorgung“ vieler Millionen Menschen hinweisen, die an Schmerzen leiden. In einem Aktionsplan zur besseren Schmerzbekämpfung plädiert die Fachgesellschaft für ein Umdenken.

Bild: Fast jeder dritte Deutsche berichtet laut der Fachgesellschaft über chronische Schmerzen. © alphaspirit

Fast jeder dritte Deutsche berichtet laut der Fachgesellschaft über chronische Schmerzen. © alphaspirit

Mehr als 2 Millionen Betroffene

Die DGSS geht von mehr als zwei Millionen Betroffenen aus, die unter starken, nicht tumorbedingten Schmerzen und einer damit verbundenen, massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität leiden, obwohl es gute Therapiekonzepte gibt. Das und rund 25 Milliarden Euro jährliche Kosten durch chronischen Schmerz machen den Kampf gegen Schmerzen zu einer Aufgabe von nationalem Interesse.

Schmerzpatienten in Deutschland

Fast jeder dritte Deutsche berichtet laut der Fachgesellschaft über chronische Schmerzen. Nur 5 Prozent davon sind durch Tumorerkrankungen bedingt. Von diesen 23 Millionen Schmerzpatienten sind 8,2 Millionen durch ihren chronischen Schmerz beeinträchtigt teilweise so stark, dass sie auch psychische Folgen davon tragen.

Forderungen der  Deutschen Schmerzgesellschaft

Die DGSS hat einen Aktionsplan zur besseren Schmerzbekämpfung erstellt, der vier Punkte beinhaltet: Bewusstsein in der Öffentlichkeit schaffen, da laut DGSS der Anspruch auf Schmerztherapie ein Menschenrecht ist. Wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer, die Ministerien für Gesundheit, Familie und Arbeit sowie die Medien sollten, so die Forderung der Gesellschaft, das öffentliche Interesse verstärkt auf das Problem Schmerz lenken und somit ein öffentliches Bewusstsein schaffen. Diesem Bewusstsein müsse auch Wissen folgen, was nur durch Forschung entstehen kann.

Der Aktionsplan sieht vor, die Forschung besser zu fördern: Den Kosten der Schmerzerkrankungen von ca. 25 Milliarden Euro pro Jahr stehen in Deutschland ca. 8 Millionen Euro Fördermittel für die Schmerzforschung entgegen. Die DGSS ruft dazu auf, dass die Forschung von den verantwortlichen Stellen ausreichend finanziert werde.

Als weiteren Schritt sieht der Aktionsplan der DGSS vor, dass das Wissen in Aus- und Weiterbildungen transportiert wird: Die Zahl der ausgebildeten Schmerztherapeuten sei in Deutschland unzureichend. Ziel müsse sein, dass jeder angehende Arzt die Grundlagen der Schmerz-therapie beherrscht.

Neben einer adäquaten schmerztherapeutischen Versorgung im Krankenhaus sieht der Aktionsplan auch Handlungsbedarf in der Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung mit niedergelassenen Praxen und Rehabilitationseinrichtungen. Die Zielformulierung der DSSG:  Alle Patienten sollten  ambulant und stationär eine ausreichende Schmerztherapie erhalten und bei Bedarf auch einer multimodalen Schmerztherapie oder komplexeren Verfahren wie Titrationen oder interventionellen Verfahren an entsprechenden Zentren zugeführt werden.

Das nächste Nationale Schmerzforum findet in Berlin am 15. September 2017 statt.

Gut informiert gegen die Schmerzen

Auf dem Internetauftritt der DGSS finden sich weitere Informationen rund um das Thema Schmerz: Von den Grundlagen der Schmerzentstehung und der Behandlung, über die wichtigsten Fachbegriffe bis zur Hilfe bei der Suche nach Selbsthilfegruppen finden Patienten hier hilfreiches Wissen.

 

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Jahrgang 1979, geboren in Ulm.