BPiK kämpft auf Deutschem Krankenhaustag für Patientenrechte

Mehr Transparenz, größere Patientenzufriedenheit und Stärkung der Rechte von Patienten: Auf seiner ersten Fachtagung im Rahmen des Deutschen Krankenhaustages am Rande der Medica hat der Bundesverband Patientenfürsprecher in Krankenhäusern (BPiK) e.V. gestern eine erste Bilanz gezogen und Ziele für die Zukunft festgelegt. Unterstützung erhielten die Anwälte der Patienten unter anderem von Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, und Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

„Ich freue mich sehr, dass die Patientenfürsprecher sich organisieren und in den Meinungsaustausch miteinander gehen“, lobt Patientenbeauftragter der Bundesregierung Karl-Josef Laumann.

„Ich freue mich sehr, dass die Patientenfürsprecher sich organisieren und in den Meinungsaustausch miteinander gehen“, lobt Patientenbeauftragter der Bundesregierung Karl-Josef Laumann.

„Ich fühle mich als Mediator und Kommunikator“, sagte einer der ersten Patientenfürsprecher, Hans-Jürgen Mahnkopf. Immer wieder kämen Patienten mit Anliegen zu ihm, angefangen bei Beschwerden über das Essen, räumliche Ausstattung bis hin zu offenen Fragen oder Behandlungsfehlern. „Nach dem Gespräch sind die Dinge oft erledigt, weil die Patienten sich ernst genommen fühlen“, so der frühere Staatsanwalt. Seit eineinhalb Jahren in diesem Amt erinnert er sich an keinen Fall, in dem eine Diskrepanz geblieben ist. Im schlimmsten Fall hätte er aber auch keine Hemmungen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Niedersachsen verankert nach mehreren Todesfällen Patientenfürsprecher im Gesetz

Das Bundesland Niedersachsen hatte den verpflichtenden Einsatz von Patientenfürsprechern gesetzlich verankert, nachdem ein Pfleger in Oldenburg und Delmenhorst zahlreiche Patienten getötet hatte und niemandem etwas aufgefallen war. Patientenfürsprecher haben die Aufgabe, im Problemfall zwischen Patient oder Angehörigem und dem Klinikpersonal wie Ärzten, Pflegern etc. zu vermitteln. Um das Amt und Patientenrechte zu stärken und Leitlinien für die Rolle der Patientenfürsprecher zu entwickeln, wurde im Januar 2015 der Bundesverband Patientenfürsprecher in Krankenhäusern gegründet. „Wir sind die Stimme von Patienten in Kliniken und Krankenhäusern“, fasst der BPiK-Vorsitzende Detlef Schliffke auf der Fachtagung zusammen.

„Ich freue mich sehr, dass die Patientenfürsprecher sich organisieren und in den Meinungsaustausch miteinander gehen“, lobt Patientenbeauftragter Karl-Josef Laumann und begründet: „Überall, wo Leute zusammenkommen, können Probleme entstehen. Mithilfe der Patientenfürsprecher könnten Diskrepanzen aber schnell wieder ausgeräumt werden. „Ich schätze die Entwicklung mit den Patientenfürsprechern und hoffe, dass es weiter Leute gibt, die bereit sind, solche Aufgaben zu übernehmen“, so Laumann. Das sei auch deshalb so wichtig, weil es aus seiner Sicht keinen Bereich gebe, in dem es so auf Vertrauen ankomme, wie im Gesundheitssystem.

„Wenn große Krankenkassen Ärzte dafür bezahlen, dass sie Patienten kranker machen als sie sind, dann kann man schon das Vertrauen in das System verlieren“, meint Laumann. Dem Staatssekretär zufolge müsste das Gesundheitssystem transparenter werden. Die Menschen seien durch das Internet heute deutlich aufgeklärter und selbstbewusster als noch vor einigen Jahren. „Das Arzt-Patienten-Gespräch ist auf einer ganz anderen Ebene als noch vor einem Jahr“, stellt der Patientenbeauftrage fest. Der Einsatz von Patientenfürsprechern in allen Krankenhäusern sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Georg Baum: Informierte Patienten sind am besten heilbar

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der ausrichtenden Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) pflichtet ihm bei: „Jeder Arzt weiß, dass informierte Patienten die am besten heilbaren sind.“ Deshalb wolle die Deutsche Krankenhausgesellschaft – auch mithilfe von Patientenfürsprechern – Transparenz herstellen. „Das sind Dinge, denen wir uns nicht entziehen“, betont Baum und betont: „Wir haben ein gemeinsames Ziel: am Ende zufriedene Patienten, die sich in einer Ausnahmesituation ihres Lebens befinden und mit Ausnahme der Geburtsabteilung eher Negatives über sich ergehen lassen müssen.“

Wo 1,8 Millionen Menschen zusammenwirkten, könne es aber auch zu Unzufriedenheiten und Behandlungsfehlern kommen, räumt er ein. Die Aufgabe von Patientenfürsprechern sieht Georg Baum deshalb darin, Ansprechpartner für Patienten zu sein und als Mittler zu Ärzten und Pflegenden aufzutreten. Das alles mit dem Ziel, die Bedürfnisse der Patienten zu befrieden.

Gemeinsam mit dem BPiK-Vorsitzenden Detlef Schliffke und Staatssekretär Laumann habe er schon vieles erreicht: „Wir haben vor dem Brandenburger Tor für das Krankenhausstrukturgesetz gekämpft und die Pflegesituation verbessert“, resümiert der DKG-Hauptgeschäftsführer und freut sich unter anderem über den für nächstes Jahr versprochenen Pflegezuschlag in Höhe von 500 Millionen Euro. Er wünscht sich, dass der Stellenwert von Patientenfürsprechern in der gesundheitspolitischen Diskussion stärker berücksichtigt werde. „Eigentlich hätte es schon immer Pflicht sein müssen, Patientenfürsprecher zu haben“, so Baum.

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Frauke Sievers
Chefredakteurin
Jahrgang 1983, geboren in Lehrte. Studium der Politikwissenschaften und der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Freie Journalistin u. a. für die Leipziger Volkszeitung und die Deutsche Presseagentur. Redakteurin bei der Leipziger Volkszeitung