Ausbruch einer Epidemie: G20-Gesundheitsminister proben den Ernstfall

Die mächtigsten Gesundheitsminister der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) treffen sich an diesem Wochenende erstmals in Berlin. Gemeinsam wollen sie die Bekämpfung globaler Gesundheitsgefahren in Angriff nehmen. Auf der Tagesordnung stehen die Bekämpfung von antibiotikaresistenten Krankheiten und Keime sowie die optimale Reaktion auf Epidemien.

Bild: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) begrüßt die mächtigsten Gesundheitsminister der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). © BMG/Michael Gottschalk (photothek)

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) begrüßt die mächtigsten Gesundheitsminister der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). © BMG/Michael Gottschalk (photothek)

In „Anycountry“, einem modellhaften Land mit geringem Einkommen, bricht eine tödliche Krankheit aus. Sie überträgt sich über die Atemwege und droht, sich weltweit auszubreiten. Die Gesundheitsminister proben den Ernstfall und müssen dabei Informationsflüsse in Gang setzen und weitreichende Entscheidungen treffen: Wie stellen sie sicher, dass gefährliche Krankheitsausbrüche durch die betroffenen Staaten zeitnah gemeldet werden? Wie bekommen sie umgehend internationale Hilfe und auf welche Weise können globale Gesundheitsrisiken eingedämmt werden?

Aktueller Ebola-Ausbruch im Kongo

Aktuell könnte „Anycountry“ die Demokratische Republik Kongo sein. Seit dem 22. April wurden der Weltgesundheitsorganisation WHO von der dortigen Behörde etwa 20 Infizierungen mit dem Ebola-Virus gemeldet, drei Menschen kamen ums Leben. Die bisher größte Ebola-Epidemie war vor mehr als vier Jahren in der Küstenregionen Westafrikas ausgebrochen. Mehr als 11.000 Menschen starben an dem tödlichen Virus. Grenzschließungen, nationaler Notstand und eine UN-Mission waren die Folge. Bilder von sterbenden Menschen vor den Krankenhäusern gingen um die Welt.

Finanzierung ist das Hauptproblem

Um künftig besser vorbereitet zu sein, beraten die Minister im Rahmen des Treffens in Berlin gemeinsam mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank auch darüber, wie sie künftig die Weltgesundheitsorganisation stärken können. Denn das Hauptproblem der internationalen Zusammenarbeit kann auch eine Simulation nicht lösen – die Finanzierung.

„Die WHO steckt in der Krise“

Nach der Katastrophe in Westafrika 2014/15 hatte die Weltgemeinschaft schnell reagiert und einen Krisenfonds eingerichtet. Von geplanten 300 Millionen Euro ist dieser aber erst mit 100 Millionen Euro gefüllt. Deutschland trug mit 13 Millionen Euro den größten Teil bei. „Die WHO steckt in der Krise, weil sie durch ihre Mitgliedsstaaten nicht ausreichend finanziert wird“, bedauert Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin  des evangelischen Entwicklungsdienstes „Brot für die Welt“. Sie fordert  das, das Menschenrecht auf Gesundheit und die Gesundheitsversorgung von Millionen Menschen in ärmeren Ländern im Zentrum der Überlegungen der G20 stehen müsse.

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“  verlangte bereits im Vorfeld des Treffens die Stärkung der WHO. „Die G20 sollten sicherstellen, dass die WHO die Verantwortung und nötige politische Unterstützung bekommt“, schreibt die Vorsitzende der Organisation, Joanne Liu, in einem offenen Brief an die Minister.

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Felix Gimm
Volontär
Jahrgang 1988, geboren in Eberbach. Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten Jena, Thessaloniki (GR) und Marburg.